ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2006Stammzelltransplantation: Bericht wird überarbeitet

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Stammzelltransplantation: Bericht wird überarbeitet

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Nach Expertenanhörung sagt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen zu, auch unpublizierte Daten zur Therapie akuter Leukämien zu prüfen.
Nach massiver Kritik hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine Überarbeitung seines im Juli veröffentlichten Vorberichts zur Stammzelltransplantation bei Erwachsenen mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) und akuter myeloischer Leukämie (AML) zugesagt. Darin vertritt das Kölner Institut die Auffassung, dass eine Überlegenheit der Fremdspende von Stammzellen gegenüber der Chemotherapie in vielen Fällen wissenschaftlich nicht belegt sei. Die Krankenkassen sollten daher keine Erstattung leisten (DÄ, Heft 31–32/2006). Diese Auffassung hatte unter Onkologen einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen – in Form von 40 Stellungnahmen und bei der regulären Experten-Anhörung am 29. August. Bei dem Hearing versuchten die Onkologen zu verdeutlichen, dass der Vorbericht in medizinischer, methodischer und ethischer Hinsicht nicht akzeptabel sei. „Das IQWiG muss seine methodische Grundlage überdenken und einzelne Fragestellungen anpassen“, so Prof. Dr. med. Gerhard Ehninger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO).
Zentraler Kritikpunkt ist, dass das IQWiG die biologische Verschiedenheit der akuten Leukämien und ihrer Untergruppen nicht berücksichtigt habe. „Patienten mit einer biologisch bedingten Hochrisikokonstellation haben ohne Stammzelltransplantation keine Überlebenschance“, so Ehninger. Zum Nachweis ihres medizinischen Nutzens verlange das IQWiG aber Studien mit einer zufälligen Zuordnung der Patienten in Kontrollgruppen. „Solche Studien wären ethisch nicht zu vertreten“, sagte Dr. med. Ulrike Holtkamp (Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe) in Köln. Bereits beendete Vergleichsstudien zwischen Familien- und Fremdspendern seien allerdings gar nicht erst in die Auswertung einbezogen worden, da sie laut IQWiG „mit erheblichen methodischen Problemen behaftet sind“.
„Beide Verfahren sind aber hinsichtlich Aufbereitung der Zellen, Zellauswahl und Therapieergebnis identisch“, betonte Prof. Dr. med. Mathias Freund (DGHO). Dies sei sowohl für die akute lymphatische (J Clin Oncol 2004; 22: 2816 ff.) als auch für die akute myeloische Leukämie (Blood 2005; 106: 3314 ff.) belegt und gelte international als Konsens. Während die Onkologen in der Überarbeitung einen klaren „Rückzieher“ sehen, wertet das IQWiG seine Zusage als vertrauensbildende Maßnahme. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
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