ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2006Arzneimittelreport: Merkmale einer Staatsmedizin
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LNSLNS Die Autoren des GEK-Arzneimittelreports werfen verordnenden Ärzten/-innen vorsätzliche „Verschwendung von Versichertengeldern“ vor, weil zu viel teure Originalpräparate bzw. Analogprodukte ohne erkennbaren Zusatznutzen statt preisgünstigere Generika mit behaupteten Einsparvolumen von 60 Millionen Euro verordnet wurden. Diese Behauptung erscheint verwunderlich, da der Anteil der Generika am generikafähigen Markt 76,9 Prozent beträgt. Kaum war dieser Arzneimittelreport verfügbar, machte die Parlamentarische Staatsekretärin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Marion Caspers-Merck (SPD), aus der Notlüge eine Tugend zur Bestätigung der Bonus-Malus-Regelung AVWG (zur vermeintlichen Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven), die sicher keine Kosten senken, sondern das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient empfindlich stören und Unfrieden in den Praxen stiften wird. Unser marodes Gesundheitssystem beinhaltet inzwischen viele Merkmale einer Staatsmedizin, sodass unter Berücksichtigung der bereits eingeschränkten Therapiefreiheit eine Positivliste zu überdenken wäre, die das Arzneimittelwirtschaftlichkeitsgesetz weitgehend überflüssig machen würde.
Dr. med. Ernst-Rainer Sexauer,
Karl-Martin-Graff-Straße 28,
76229 Karlsruhe
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