ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2006Essstörungen: Zielrichtung nicht erkannt
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LNSLNS Leider geht die o. g. Besprechung an der Zielrichtung der Studie völlig und an deren Inhalt zum größten Teil vorbei. Im Auftrage des BMFSFJ sollten Beratungseinrichtungen für Mädchen und Frauen mit Essstörungen evaluiert werden, um deren Leistungsspektrum zu erfassen und Folgerungen für deren Einrichtung sowie einen Leitlinienvorschlag für deren Arbeit zu formulieren. Dieser Bereich wurde bisher noch nie systematisch und bundesweit untersucht . . . Die Daten sowie deren Erhebung sind, wie der Autor darzulegen nicht umhinkann, nachvollziehbar dargestellt. In den untersuchten Einrichtungen wird neben niederschwelligen Beratungsangeboten Psychotherapie sowohl innerhalb wie außerhalb der Richtlinien-Psychotherapie durchgeführt. Kognitiv-behaviorale Ansätze spielen in diesem Kontext tatsächlich eine vergleichsweise geringe Rolle. Zu diesem Faktum kann man natürlich unterschiedlicher Meinung sein. Aufgabe der Studie war es zu erfassen, was in den Einrichtungen stattfindet. Psychosomatische Ambulanzen oder Kliniken sollten nicht untersucht werden. Dies ist an anderer Stelle geschehen (z. B. in der multizentrischen Studie Essstörungen „MZESS“) bzw. vorgesehen. Auch die medizinisch-psychosomatische Dimension von Essstörungen war nicht Gegenstand der Studie . . . Zu niederschwelligen Angeboten im Essstörungsbereich gibt es bisher leider kaum Untersuchungen. Die Kritik bleibt hier leider ebenso formal wie die an unseren Leitlinienvorschlägen. Gerade hier haben wir aufgrund unserer Studienergebnisse auf die Notwendigkeit der Vernetzung der unterschiedlichen Beratungs- und Behandlungsformen (ambulant und stationär) in einer Versorgungskette hingewiesen. Diese existiert leider nicht. Essstörungen gehören zu den in der Bundesrepublik ambulant am schlechtesten versorgten psychosomatischen Störungsbildern. Hier ist Kooperation erforderlich, nicht Segmentierung. Letztere schadet den Betroffenen und führt zur Vergeudung von Ressourcen.
Priv.-Doz. Dr. Günter Reich, Diplompsychologe,
Gabriele Witte-Lakemann, Diplomsozialwirtin, Ambulanz für Familientherapie und für Ess-Störungen, Georg-August-Universität Göttingen, Humboldtallee 38, 37073 Göttingen
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