ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2006Arzneimittelkosten: Forderungen
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LNSLNS 1. Die „Zweitmeinung“ wird kommen. Die Politik hat sich in den letzten ca. 20 Jahren nie gescheut, Bürokratievermehrungen gegen den Willen der Ärzte durchzusetzen. Nur die massive und einheitliche Verweigerung der Ärzteschaft könnte dies verhindern. Aufgrund deren Uneinigkeit – siehe Artikel – ist dies nicht zu erwarten.

2. Wenn sie schon kommt, sollten die Vertreter der Ärzteschaft dafür sorgen, sie so auszustatten, dass für die Ärzte ein kleiner Vorteil den Nachteil der vermehrten Bürokratiebelastung ausgleicht.

3. Aufgrund der vermehrt zu beobachtenden Schleichwerbung der Pharmaindustrie über Laienmedien kann eine vernünftige Regelung hier auch einen Schutz des einzelnen kleinen Arztes vor unberechtigten Forderungen von Patientenseite bedeuten. Daher ergeben sich zur Ausgestaltung der „Zweitmeinung“ folgende klare Forderungen:
a) Das relativ praktische Verfahren per Fax und mit Antwort in 30 Minuten sollte unbedingt beibehalten werden.
b) Prinzipiell sollten alle bekannten Subspezialisten einschließlich der niedergelassenen Ärzte und nicht nur „Chefärzte“ dazu herangezogen werden.
c) Es ist dem Artikel unbedingt zuzustimmen, dass die Begründungspflicht für derartige Präparate keine Einbahnstraße sein darf. Vielmehr muss dem Hausarzt vom Facharzt bei Verordnung solcher Präparate die Begründung mit dem sowieso üblichen Bericht mitgegeben werden . . .
d) Sinn macht die ganze Regelung nur, wenn die betroffenen Präparate bei der Richtgrößenprüfung vorab herausgerechnet werden. Es ist Unsinn und Zeitverschwendung, die Verordnungsberechtigung bei der Richtgrößenprüfung ein zweites Mal nachweisen zu müssen.
e) Der Zeitaufwand für beide Seiten muss unbedingt außerhalb der gedeckelten Gesamtvergütung mit konstantem und kostendeckendem Preis bezahlt werden. Zum einen ist es ethisch nicht zumutbar, Bürokratievermehrung wieder durch verminderte Bezahlung der Behandlung von Patienten zu subventionieren, zum anderen besteht nur so ein Anreiz für Politik sowie Kranken-
kassen, die Anzahl der „Zweitmeinungspräparate“ nicht zu sehr auszudehnen.

4. Die Einrichtung eines „hellgelben“ Bereichs mit erhöhtem Dokumentationsaufwand, aber ohne Absicherung halte ich für unpraktisch. Also: Entweder ist die „Zweitmeinung“ erforderlich oder nicht.
Dr. med. Thomas Werlich,
Ziegelweg 27, 08496 Neumark
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