ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2006Psoriasis-Arthritis, eine interdisziplinäre Herausforderung: Radiosynoviorthese
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LNSLNS Boehnke und Mitarbeiter beschreiben in ihrem interdisziplinär ausgerichteten Artikel, dass viele der eingesetzten Medikamente zur systemischen (Sulfasalazin) und zur lokalen Therapie (Corticosteroide) keine Zulassung für die Behandlung der Psoriasis-Arthritis besitzen oder ihre Wirkung bislang nicht durch Evidenz-basierte Studien nachgewiesen wurde.
Bei hoher Effektivität systemischer TNF-a-Blocker bleibt die Frage einer lokalen intraartikulären Behandlung bei einzelnen, therapieresistenten Gelenken alternativ zu operativen Verfahren wie Synovektomie oder Gelenkersatz.
In diesem Zusammenhang weisen wir auf die Radiosynoviorthese (RSO) als antientzündliche Gelenktherapie mittels intraartikulär applizierter Radiokolloide hin, die seit über 50 Jahren bekannt ist. Die RSO wird bei einzelnen, sonst therapierefraktären Gelenken mit algogener Synovialitis erfolgreich und mit geringem Risikoprofil angewandt. Insbesondere bei der Psoriasis-typischen Daktylitis ist sie gegenüber den operativen Therapieansätzen (Synovektomie, Gelenkersatz) das deutlich weniger invasive Verfahren.
Ähnlich wie für viele von den Autoren genannten Medikamente existieren für die RSO bei der Psoriasis-Arthritis nur wenige Daten. In einer Studie von Rau und Mitarbeitern (1) konnte nach mindestens sechs Monaten Beobachtungszeit bei 21 Patienten mit Psoriasis-Arthritis eine Ansprechrate von 62 Prozent bezüglich Gelenkschmerz, Schwellung, Beweglichkeit und Lebensqualität dokumentiert werden. Andere Studien enthalten weitere Patienten mit Psoriasis-Arthritis, deren Ergebnisse jedoch nicht separat ausgewiesen werden. Aufgrund des identischen Therapieprinzips einer lokalen Bestrahlung der Synovialmembran nach Phagozytose der Radiokolloide durch superfizielle Synovialmakrophagen ist jedoch eine vergleichbare Effektivität bei der Psoriasis-Arthritis wie bei der rheumatoiden Arthritis zu erwarten, zu der eine Vielzahl von Literaturdaten vorliegen (2).
Somit sollte die nuklearmedizinische Lokaltherapie bei schmerzhaften Gelenken mit Psoriasis-Arthritis unter systemischer Pharmakotherapie erwogen werden – insbesondere bei Versagen intraartikulärer Corticoidgaben oder vor orthopädisch-chirurgischem Gelenkersatz.

Priv.-Doz. Dr. Kampen erhielt Vortragshonorare und Reisekostenerstattung von der Firma Schering.

Prof. Bohuslavizki und Dr. Bleckmann erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Commitee for Medical Journal Editors besteht.

Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Biol. Willm Uwe Kampen
Klinik für Nuklearmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 9
24105 Kiel

Prof. Dr. med. Karl Heinz Bohuslavizki
FEBNM
Dr. med. Christian Bleckmann
Nuklearmedizin Spitalerhof
Spitalerstraße 8
20095 Hamburg
1.
Rau H, Lohmann K, Franke C, Goretzki G et al.: Multicenter study of radiosynoviorthesis – clinical outcome in osteoarthritis and other disorders with concomitant synovitis in comparison with rheumatoid arthritis. Nuklearmedizin 2004; 43: 57–62. MEDLINE
2.
Kampen WU: Die Radiosynoviorthese im Spiegel der Evidenz-basierten Medizin (EbM). Der Nuklearmediziner 2006; 29: 37–42.
1. Rau H, Lohmann K, Franke C, Goretzki G et al.: Multicenter study of radiosynoviorthesis – clinical outcome in osteoarthritis and other disorders with concomitant synovitis in comparison with rheumatoid arthritis. Nuklearmedizin 2004; 43: 57–62. MEDLINE
2. Kampen WU: Die Radiosynoviorthese im Spiegel der Evidenz-basierten Medizin (EbM). Der Nuklearmediziner 2006; 29: 37–42.

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