ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2006„Emmas Glück„: Liebe und Tod auf dem Bauernhof

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„Emmas Glück„: Liebe und Tod auf dem Bauernhof

Osterloh, Falk

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Der Film ist eine weitere Perle des zeitgenössischen deutschen Kinos.

Emma lebt allein auf ei-nem Bauernhof im Hochsauerland. Allein mit 17 Schweinen, drei Säuen und zwölf Ferkeln sowie einer ungezählten Menge an Hühnern und Gänsen, mit denen sie ihren Hof und ihr Haus teilt. Emma liebt ihr Leben, sie liebt ihre Tiere und ihre konsequente Unordnung. Und doch fehlt etwas in ihrem Leben. Etwas, das der tragikomische Dorfpolizist Henner, dessen Avancen sie bisweilen mit der Flinte abzuwehren pflegt, ihr nicht geben kann.
Max geht wegen seiner anhaltenden Bauchschmerzen zum Arzt. Doch statt ein paar Medikamenten erhält er die Diagnose: Krebs, Bauchspeicheldrüse, inoperabel. Kurz entschlossen stiehlt er seinem Freund Hans das sauer verdiente Schwarzgeld, um vor seinem Leben Richtung Mexiko davonzulaufen. Doch der Wagen ist zu schnell, die Kurve zu eng, und als er wieder erwacht, ist er nicht (ganz) im Himmel, sondern auf einer verstaubten Matratze irgendwo auf Emmas Bauernhof. Die hat neben Max auch das Geld aus dem Auto gezogen, das sie gut gebrauchen könnte, um die Zwangsversteigerung ihres geliebten Hofes abzuwenden. Doch bald merkt sie, dass es nicht die Geldscheine sind, die ihr das titelgebende Glück bescheren sollen.
Emma (Jördis Triebel) kümmert sich liebevoll um den schwer kranken Max (Jürgen Vogel). Fotos: Pandora Film
Emma (Jördis Triebel) kümmert sich liebevoll um den schwer kranken Max (Jürgen Vogel). Fotos: Pandora Film
„Emmas Glück“ ist eine weitere Perle des zeitgenössischen deutschen Kinos, das mit Sven Taddicken einen weiteren innovativen und stilsicheren Regisseur hervorgebracht hat. Der bereits für seine frühen Kurzfilme mit zahlreichen Preisen versehene Hamburger erzählt in kraftvollen, farbsatten Bildern eine Geschichte über das Leben und über das Sterben und über Schweine. Weit entfernt von jeglicher Melodramatik zeigt er die Liebe und auch den Tod als zwei Naturgewalten, vor denen man gar nicht erst versuchen sollte davonzulaufen. Auch Emma, kongenial gespielt von Jördis Triebel in ihrer ersten Kinorolle, ist eine Naturgewalt, kompromisslos ehrlich und liebevoll nimmt sie Max seine existenzielle Furcht vor dem Leben – und dem Tod.
Emmas Glück: Deutschland 2006, 99 Minuten, Regie: Sven Taddicken, Drehbuch: Claudia Schreiber, Ruth Toma, Darsteller: Jördis Triebel, Jürgen Vogel, Hinnerk Schönemann, Martin Feifel, Nina Petri
Emmas Glück: Deutschland 2006, 99 Minuten, Regie: Sven Taddicken, Drehbuch: Claudia Schreiber, Ruth Toma, Darsteller: Jördis Triebel, Jürgen Vogel, Hinnerk Schönemann, Martin Feifel, Nina Petri
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Reich an skurrilen Situationen, authentischen Figuren und treffsicheren Dialogen ist „Emmas Glück“ eine Tragikomödie vom Lande, mit Tiefgang, einer auf ihre Art attraktiven Bäuerin aus dem Hochsauerlandkreis (auch ein Novum der deutschen Kinogeschichte) und ausgesprochen glaubwürdigen Schauspielern. Die Autorin der Buchvorlage und Co-Autorin des Drehbuchs, Claudia Schreiber, liefert mit Emma eine Frauengestalt, die dem Zuschauer mit ihrer unverfälschten Lebensfreude fernab aller Konventionen noch lange in Erinnerung bleibt.
Als Vorlage hat der Autorin die Vorstellung gedient, was wohl aus Pippi Langstrumpf als erwachsener Frau geworden wäre. „Schlimm ist die Angst vor dem Tod, nicht der Tod selbst“, sagt sie einmal und bringt damit ihre Lebenseinstellung auf den Punkt. Wer einen witzigen, traurigen, ehrlichen und liebevollen Film, noch dazu mit einem aus medizinischer Sicht höchst kontroversen Finale, sehen möchte, sollte „Emmas Glück“ nicht versäumen. Falk Osterloh

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