ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2006Schilddrüse: Knotensuche primär per Palpation

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Schilddrüse: Knotensuche primär per Palpation

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Jeder dritte Erwachsene hierzulande weist eine vergrößerte Thyroidea oder Knoten darin auf, ohne davon zu wissen; in den meisten Fällen handelt es sich um eine Jodmangelstruma. Bereits durch Abtasten der Schilddrüse könne ein Großteil der Patienten mit pathologischen Veränderungen erkannt werden, betonte Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger (München). Selbst Strumen sind nicht immer äußerlich sichtbar, aber oft tastbar oder erst bei zurück-geneigtem Kopf zu erkennen (Grad 1 nach der WHO-Einteilung). Fällt die vergrößerte Schilddrüse schon bei normaler Körperhaltung auf, ist Grad 2 erreicht. Millimetergenau vermessen lässt sich das Organ durch Sonographie. Sie gilt als Goldstandard in der Strumadiagnostik. Jedoch liege die Übereinstimmungsrate von Palpation und Ultraschall-Untersuchung nur bei bis zu 88 Prozent, berichtete Dr. Joachim Feldkamp (Bielefeld).
Beim Abtasten dient der Kehlkopf mit dem Schildknorpel als Orientierungshilfe. Zwei bis drei Trachealknorpel tiefer liegen links und rechts davon die beiden Schilddrüsenlappen, die durch einen Isthmus miteinander verbunden sind. In dieser Brücke sind Knoten am sichersten zu ertasten. Die Palpation wird von hinten am sitzenden Patienten durchgeführt. Dabei sollte er schlucken.
Durch die Palpation können Knoten von rund zehn Millimetern Durchmesser aufgedeckt werden. Die Sonographie findet schon Knoten ab fünf Millimeter. Das sei aber kein Grund für ein sonographisches Screening, betonte Dr. Diethard Sturm (Hohenstein-Ernstthal): „Wohl jeder dritte Bundesbürger zeigt im Sonogramm Auffälligkeiten, aber schilddrüsenkrank ist er deswegen noch nicht. Das hängt von weiteren Parametern ab, und nicht jede Struma ist ein Behandlungsgrund.“
Prof. Christoph Reiners (Würzburg) warnte davor, sich nur auf Laborwerte, zum Beispiel das TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) zu stützen. Denn Strumen seien meist euthyreot, und das TSH sage nichts über die Größe der Schilddrüse aus. Auch Knoten werden dadurch nicht angezeigt. Es sei denn, der Patient hat aktive autonome Adenome, die eine Hyperthyreose verursachen. Solche Dysfunktionen sind aber selten.
Die meisten euthyreoten Jodmangelkröpfe sprechen auf eine Kombinationstherapie aus Jodid plus L-Thyroxin gut an. Bei Jugendlichen und Erwachsenen behebe diese Therapie den Jodmangel, senke TSH und bremse den Wachstumsreiz in der Schilddrüse, erklärte Schumm-Draeger. Die Entwicklung von Knoten wird nicht nur gestoppt, es wird auch eine Rückbildung induziert. Als optimal hat sich eine Dosierung von täglich 150 µg Jodid und 75 µg L-Thyroxin erwiesen, wie sie in dem Präparat Thyronajod® angeboten wird. Die Patienten sollten dabei auf einen TSH-Wert von 0,3 bis 1,2 mU/l eingestellt werden. Siegfried Hoc

Fachpressegespräch „Die Schilddrüse in guten Händen: Papillon Schilddrüsenwoche 2006“ in Königstein-Falkenstein, und Grünwalder Gespräch „Schilddrüse in guten Händen“. Veranstalter: sanofi-aventis Deutschland/Henning
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