ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1997KBV/KPMG-Umfrage zu Praxiskosten: Zwischenergebnisse der Fragebogenaktion

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KBV/KPMG-Umfrage zu Praxiskosten: Zwischenergebnisse der Fragebogenaktion

Goergen, Holger; Riedel, Rolf-Rainer

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LNSLNS Die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) initiierte Fragebogenaktion zur Ermittlung der Praxis- und Kostenstruktur der vertragsärztlichen Praxen hat einen höheren Rücklauf, als noch im Dezember vergangenen Jahres erwartet worden war. Auf den folgenden Seiten dokumentieren wir einen Beitrag der KPMG, Deutsche Treuhandgesellschaft, der erste Zwischenergebnisse der Umfrage aufführt und sich mit der verschiedentlich geäußerten Kritik am Inhalt des Fragebogens auseinandersetzt. Die Umfrage läuft noch bis Ende Februar.


Mit dem Inkrafttreten des Gesundheitsstrukturgesetzes wurden unter anderem für die ambulante und stationäre Versorgung "Budgettöpfe" geschaffen, um das Ausgabenvolumen im Gesundheitssystem zu stabilisieren. Seitdem sind alle beteiligten Gesundheitssystempartner besonders bestrebt, den in der Vergangenheit erreichten Leistungsstandard auch für die Zukunft zu erhalten.
Aufgrund einer Reihe von Einflußgrößen kann eine degressive Punktwertentwicklung bei der KVHonorarabrechnung in den letzten Jahren beobachtet werden. Den Vertragsärzten fehlt deshalb eine sichere Kalkulationsgrundlage. Um dieser bedrohlichen wirtschaftlichen Entwicklung entgegenzuwirken, entschloß sich der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Praxisbudgets anstatt der bisherigen Vergütungsinstrumente vom 1. Juli 1997 an einzuführen (1). Vor diesem Hintergrund beauftragte uns die KBV ergänzend, betriebswirtschaftliche Daten insbesondere zu folgenden Komplexen zu erheben:
l Praxisstrukturen
l Praxen als Wirtschaftseinheit (Kosten, Leistungen, Fallzahlen)
l Praxisbesonderheiten (Standort, KV-Bereich etc.),
um genauere Kenntnisse über die wirtschaftliche Situation der Praxen zu erhalten. Diese von der KPMG erfaßten Daten werden der KBV nur anonymisiert und in aggregierter Form überlassen. Die praxisbezogenen Daten werden so zusammengefaßt, daß sie nicht entanonymisiert werden können. Gleichzeitig sollen die Ergebnisse der Erhebung die Diskussion um die Punktwertstabilität versachlichen und die KBV in die Lage versetzen, den Vertragspartnern die ökonomische Lage der niedergelassenen KV-Ärzte gezielter und begründeter darzulegen. Es war und ist nicht Ziel dieser Aktion, eine Einzel- oder Pauschalkalkulation von Leistungen für einen neuen EBM zu schaffen.


Rücklaufquote bis Mitte Januar
Wir haben uns für eine Totalerhebung und nicht für ein Stichprobenverfahren entschieden, um der Heterogenität in und zwischen den einzelnen Fachgruppen Rechnung zu tragen. Das gewählte Verfahren soll eine ausreichende Rücklaufquote für die einzelnen Arztgruppen sicherstellen. Zur weiteren wissenschaftlichen Absicherung des Projektes haben wir eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe unter anderem aus Ärzten, Wirtschaftsprüfern, Mathematikern, Diplom-Kaufleuten und Sozialwissenschaftlern gebildet.
Entsprechend den Vorgaben für sozialempirische Erhebungsverfahren haben wir die Praktikabilität und Verständlichkeit des Fragebogens im Rahmen eines Pretests überprüft. Die hier gewonnenen Ergebnisse wurden bei der abschließenden Gestaltung des Fragebogens nach Genehmigung durch die KBV berücksichtigt. In der folgenden schriftlichen Befragung haben wir alle Vertragsärzte (rund 107 500) in 91 260 Praxen um das Ausfüllen eines Fragebogens gebeten.
Die Ende September eingeleitete empirische Datenerhebung zur Praxis- und Kostenstruktur "Ärzte in freier Praxis" zeigt erste konkrete Trends entgegen zwischenzeitlich geäußerter Bedenken. Unter Berücksichtigung des vom Gesetz über Kostenstrukturanalysen (§ 5) geforderten Repräsentationsgrades von fünf von Hundert wäre damit ein Repräsentationsgrad für die Grundgesamtheit erreicht.
Zum Stichtag 14. Januar 1997 sieht die Rücklaufquote wie folgt aus: Versandte Fragebögen: 91 260 (100 Prozent), Antworten: 6 665 (7,30 Prozent), auswertbar: 5 556 (6,09 Prozent), Ablehnungen: 1 109 (1,21 Prozent). Im Vergleich zu anderen bundesweiten und alle Fachgruppen einbeziehenden Umfragen liegt die Rücklaufquote erheblich über diesen Werten.
Als Ablehnungsgründe wurden überwiegend genannt (Mehrfachnennungen möglich): l Zu hohe Kosten für den Steuerberater (40,13 Prozent)
l Sinn bzw. Ergebnis der Erhebung zweifelhaft (26,60 Prozent)
l zu hoher Zeitaufwand (19,30 Prozent)
l Ablehnung aufgrund von Publikationen (16,41 Prozent)
l Daten bereits von den Berufsverbänden erhoben (13,53 Prozent)
l Fragebogen zu kompliziert (9,65 Prozent)
l Kritik an der Honorarpolitik (9,47 Prozent)
l keine Angaben (8,57 Prozent).
Die Ablehnung der Aktion aufgrund der Beiträge von A. Nissen (3), G. Paul (4), O. Henker (5) und Rundschreiben von Steuerberatern an ihre Mandanten A. Nissen/H.-W. Dickhaut (6) haben zweifellos Verunsicherung bei den einzelnen Ärzten hervorgerufen beziehungsweise einzelne Berufsverbände davon abgehalten, die Aktion zu unterstützen. Was wollten die Autoren hiermit den befragten Ärzten sagen? Hierzu einige typische Beispiele:
Abschnitt IV: Posten des Jahresabschlusses. Nissen (3) stellt fest:
"(...) Eine sinnvolle Kostenrechnung kann nur von der Bilanz abgeleitet werden, weil bei dieser Rechnung den Leistungen die Kosten zeitgerecht gegenübergestellt werden. Da etwa 90 Prozent der Arztpraxen den Gewinn durch eine Einnahme-Überschuß-Rechnung ermitteln, müßte deren Rechnung auf eine Bilanz umgestellt werden (...), wodurch Steuerberatergebühren von mehr als DM 500 anfallen würden."
Nach geltendem Handels- und Steuerrecht hat ein Kaufmann einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluß (Eröffnungsbilanz, Bilanz) aufzustellen (§ 242 Abs. 1 HGB). Nach § 5 EStG haben Gewerbetreibende am Schluß des Wirtschaftsjahres das Betriebsvermögen anzusetzen ...
Wie Nissen (3) von einer Vermögensrechnung (Bilanz) im Wege einer Überleitungsrechnung zu einer sinnvollen Kostenrechnung gelangen will, stellt offenbar eine revolutionäre Änderung im betrieblichen Rechnungswesen dar.
Wonach wurde in Abschnitt IV gefragt? Nach dem Wert der beweglichen Einrichtung zum 1. Januar 1994 und zum 31. Dezember 1994. Die Angaben können dem Anlagennachweis, der in der Regel zur Ermittlung der Abschreibungen beziehungsweise Absetzung für Abnutzung freiwillig geführt wird, entnommen werden. Warum man dafür eine Bilanz benötigt, ist nicht nachvollziehbar. Diese Erkenntnis scheint sich zwischenzeitlich auch bei Nissen (7) durchgesetzt zu haben, wenn er bei der Besprechung seines eigenen Fragebogens schreibt: "Die Betriebseinnahmen und -ausgaben können dem jeweiligen Jahresabschluß (gemeint ist wohl die Gewinn- und Verlustrechnung, obwohl nach eigenem Bekunden 90 Prozent der Arztpraxen den Gewinn durch eine Einnahme-Überschuß-Rechnung ermitteln; Anmerkung der Verfasser) entnommen werden." In der Tat würde eine Überleitung auf eine Bilanz (besser: Jahresabschluß) nach § 5 EStG in circa 90 Prozent der Fälle erhebliche Kosten verursachen. Allerdings ist sie zur Beantwortung dieses Abschnittes und der gesamten Erhebung nicht notwendig.
Abschnitt V: Praxisumsatz im Kalenderjahr 1994 (brutto). Weiterhin führt Nissen (3) aus: "Die Angabe des Bruttoumsatzes ist freiwillig (...). Da bei fehlendem Bruttoumsatz eine wesentliche Bezugsgröße für die Kostenrechnung fehlt, wird mit diesem Hinweis das Ergebnis der gesamten Aktion in Frage gestellt."
Diese Aussage wäre richtig, wenn wir die Umsätze als Schlüsselgröße für die Verteilung der Kosten auf die einzelnen Kostenträgerbereiche verwenden würden. Das tun wir aber nicht, da dies zur Folge hätte, daß aufgrund unterschiedlicher Abrechnungssätze (GKV/PKV) Kosten aus dem GKV-Bereich in den PKV-Bereich verlagert würden und dadurch im GKV-Bereich zu niedrige Kosten angesetzt würden.
Abschnitt VI: Aufwendungen für die Praxisgründung
1 Anlaufkosten
"Im Erhebungbogen wird nicht definiert, wie die Anlaufkosten zu ermitteln sind."
Es handelt sich um die vor Eröffnung der Praxis anfallenden Kosten, die als Betriebsausgaben abzugsfähig sind (8). Soweit sie im Erhebungszeitraum 1994 anfallen, sollen sie separat erfaßt werden, um die Auswertung nicht zu verfälschen. (Laut Bundesarztregister, Stichtag 30. Juni 1996, können hiervon maximal 4 049 Praxen betroffen sein.)
1 Praxisübernahme, Abschreibungen auf den Praxiswert
Der Erwerber einer Praxis muß den aufgewendeten Kaufpreis auf die einzelnen Vermögensgegenstände aufteilen. Der Differenzbetrag zwischen dem aufgewendeten Kaufpreis und der Summe der Werte, mit dem das erworbene Praxisvermögen anzusetzen ist, ist der sogenannte Praxiswert. Es handelt sich hierbei um ein immaterielles Anlagegut, in dem sich der innere Wert der Praxis, die mit ihrem Betrieb verbundenen Gewinnchancen und ihr guter Ruf ausdrücken (9). Insoweit umfaßt der immaterielle Praxiswert auch den "Goodwill". Gerade weil es sich beim käuflich erworbenen immateriellen Praxiswert um einen einmaligen Geschäftsvorfall handelt, wird dieser separat erfaßt, um nicht die Auswertungsergebnisse durch Sondereinflüsse von wenigen Einzelfällen zu verzerren. Dabei wird auch der unterschiedlichen Abschreibungsdauer Rechnung getragen (10). Daß Nissen (3) beziehungsweise Paul (4) zu der Erkenntnis gelangen, die Auswertung dieser Frage führe zu keinem eindeutigen oder zu willkürlichen Ergebnissen, stellt eine Behauptung dar und ist sachlich nicht zu begründen.
Abschnitt VIII: Kosten im Kalenderjahr 1994. Zu Recht weist Nissen (3) darauf hin, daß hier auch Positionen, etwa kalkulatorische Kosten, enthalten sind, die steuerlich nicht zu den abzugsfähigen Ausgaben zählen. Wer daraus auf einen Kardinalfehler der Experten von KBV und KPMG schließt, übersieht, daß es sich hierbei um einen Fragebogen handelt und nicht um eine Gewinn- und Verlustrechnung oder um eine EinnahmeÜberschuß-Rechnung und daß in den Begleitschreiben zweier Berufsverbände spezielle Hinweise für ihre Mitglieder enthalten sind. Nunmehr stellt Nissen (7) fest: "Da die Praxis- und Kostenstrukturerhebung als Kalkulationsgrundlage für die Festsetzung der Praxisbudgets herangezogen werden soll, sind nicht die steuerlichen, sondern die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse zu ermitteln. . . . Die Praxiskosten setzen sich aus den steuerlich abziehbaren Betriebsausgaben und den kalkulatorischen Kosten zusammen."
1 Personalkosten
Paul (4) fragt: "Ungeklärt ist: Arbeiten auch alle Personen, die von der Praxis Gehalt bekommen, in der Arztpraxis mit?"
Unter den Personalkosten werden nur solche Kosten erfaßt, die für eigenes Personal aufgewendet werden. Warum sollte ein Arzt Personalausgaben für nicht in der Praxis tätiges "Personal" buchen? Wird hier unterstellt, daß Ärzte Arbeitsverhältnisse vortäuschen?
Nissen (3) stellt fest: "Im Abschnitt I des Fragebogens sind die Arbeitszeiten der Angestellten anzugeben. Es wird nicht erläutert, welche Verknüpfung diese äußerst aufwendige Berechnung mit den Personalkosten und der Honorarverteilung ermöglicht."
Gefragt wurde nach der Summe der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit je Woche und Mitarbeitergruppe (mit Ausfüllhilfe). Um diese Frage zu beantworten, muß man zwei Grundrechenarten beherrschen: die Multiplikation und die Addition. Warum dies eine äußerst aufwendige Berechnung ist, bleibt sein Geheimnis.
1 Zinsen, soweit praxisbedingt (ohne Zwei-Konten-Modell)
Paul (4) fragt zu Recht: "Sind die Darlehen in der Praxis betriebsnotwendig, oder wurden Umfinanzierungen zwischen dem Praxis- und Privatbereich vorgenommen, wie zum Beispiel beim Zwei-Konten-Modell"? . . . Um solche Umfinanzierungen, die steuerrechtlich zulässig, aber honorarrechtlich unbeachtlich sind, aus der Erhebung auszuschließen, wurde das Zwei-Konten-Modell bei der Erhebung nicht berücksichtigt (11). (Anmerkung der Verfasser.: Der zu diesen Fragen angerufene Große Senat des BFH wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 1997 entscheiden.)
1 Tilgungsbeträge für Fremdkapital
Sowohl Nissen (3) als auch Paul (4) kritisieren, daß Beiträge für Kapitallebensversicherungen, die "Tilgungsersatz" beziehungsweise die "normale Tilgung für Praxisdarlehen ersetzen", nicht erfaßt werden und die Erhebung daher unvollständig sei. Gemeint sind offenbar solche Darlehen, die zur Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines betrieblich genutzten Wirtschaftsgutes und/oder einer Praxisgründung/-übernahme dienen und für deren Tilgung oder Sicherung Ansprüche aus Kapitallebensversicherungsverträgen bestimmt sind. Versicherungsbeiträge für solche Policendarlehen beziehungsweise Praxisgründungsversicherungen können nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden. Gegebenenfalls höchstens als Sonderausgaben i. S. d. § 10, Abs. 1 Nr. 2b EStG, weil die Versicherung nicht unwesentlich die Lebensführung des Versicherungsnehmers berührt (12).
Wenn, wie Nissen (3) richtig feststellt, Tilgungsbeträge nicht bei der Kostenrechnung zu berücksichtigen sind und Kosten der privaten Lebensführung (darunter sind die Versicherungsbeiträge zu subsumieren) nicht erfaßt werden (Abschnitt VIII des Fragebogens), stellt sich die Frage, warum die Erhebung unvollständig sein soll!
1 Abgrenzung der Kostenarten
Nissen (3) als auch Paul (4) vermissen eine eindeutige Abgrenzung der Kostenarten. Wie Paul (4) richtig feststellt, gibt es keine einheitliche Arztbuchführung für alle Ärzte mit verbindlichem Kontenrahmen. Von daher ist es gleichgültig, welcher Kontenrahmen zugrunde gelegt wird, da es immer zu Umgliederungen aufgrund fehlender Einheitlichkeit der Kontenrahmen kommen wird.
Diese Erkenntnis scheint sich auch bei Nissen (7) durchgesetzt zu haben, wenn er feststellt: "Falls die Einnahmen- und Ausgabearten in der Gewinnermittlung anders aufgegliedert wurden, muß eine Umrechnung nach den detailliert vorgegebenen Merkmalen des Fragebogens erfolgen." Fehlerquote programmiert?
1 Beurteilung der Wirtschaftlichkeit
Nissen (3) stellt fest, daß "auch die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit durch eine Gegenüberstellung der Leistungen aus Abschnitt II mit den Kosten aus Abschnitt VIII aufgrund verschiedener Mängel nur eingeschränkt möglich" ist. Hierzu ist anzumerken, daß diese Beurteilung weder angestrebt wird noch möglich ist. Abschnitt II befaßt sich mit der Leistungsstruktur (Schwerpunkt der Praxistätigkeit) im ersten Quartal 1996, während Abschnitt VIII nach den Kosten beziehungsweise Betriebsausgaben des Jahres 1994 fragt.
Paul (4) unterstellt, daß der steuerliche Buchwert der Praxiseinrichtung und die Art der Finanzierung für die wirtschaftliche Beurteilung einer Praxis herangezogen werden. Wie er zu diesem Schluß kommt, ist sachlich nicht nachvollziehbar.
Zusammenfassend kann daher festgestellt werden, daß die geäußerten Bedenken sachlich falsch und unbegründet sind. Vermutungen, Behauptungen und Unterstellungen erhalten auch durch den Verweis auf ihre Publizierung in der Fachpresse weder eine höhere Aussagekraft, noch gewinnen sie an Seriosität und Glaubwürdigkeit, zumal sie nach drei Monaten vom selben Autor Nissen (3, 7) selbst widerlegt werden. Sie führen eher dazu, Teile der Ärzteschaft und einzelne Berufsverbände zu verunsichern und Einzelumfragen in einzelnen Berufsverbänden auszulösen. So wird beispielsweise in Niedersachsen eine separate Umfrage mit fast identischem Inhalt zur Fragebogenaktion der KBV auf Basis der steuerlichen Gewinnermittlung durchgeführt, verbunden mit einer Kostenerstattung für die Inanspruchnahme des Steuerberaters.
Nach Veröffentlichung der Berechnung von Praxisbudgets durch die KBV wird die Durchführung von Kostenstrukturerhebungen als notwendig erachtet (7). Die dazu veröffentlichten Fragebögen haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Fragebogen der KBV/KPMG und im allgemeinen Teil mit dem des Statistischen Bundesamtes. Offenbar war die Entscheidung doch nicht falsch, sich an diesen Fragebogen anzulehnen. Die Rücklaufquote untermauert diese Auffassung. Die Feststellungen in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KBV, das Erhebungsprojekt abzubrechen, weil nicht genügend Fragebögen ausgefüllt worden sind, hat dazu geführt, daß vor allem über die Jahreswende eine Vielzahl von Fragebögen eingesendet wurde. Viele Ärzte haben dabei keine Kosten gescheut, wie die umfangreiche Inanspruchnahme ihrer Steuerberater zur inhaltlichen Absicherung der erhobenen Daten zeigt.
Anschließend wird die KPMG mit der Analyse der Fragebogenergebnisse beginnen, so daß bis Ende Februar ausgefüllte und abgesandte Fragebögen noch einbezogen werden. Die Gesamtheit der Bögen wird nach Arztgruppen getrennt, und bei jeder dieser Arztgruppen wird geprüft, wie es um die Rücklaufquote und die Homogenität im Vergleich zu anderen Arztgruppen steht. Aufgrund der Analyse der Fragebögenergebnisse, wird dann zu entscheiden sein, in welchem Umfange gesicherte Aussagen über die betriebswirtschaftlichen Kosten von Arztpraxen in den betreffenden Arztgruppen zu veröffentlichen sind. Nach Angaben der KBV können Fragebögen noch bis zum 28. Februar 1997 an die KPMG gesendet werden, damit diese auch noch im Rahmen der Auswertung berücksichtigt werden können. Sollten Sie Ihren Fragebogen nicht mehr zur Verfügung haben, können Sie einen Ersatzfragebogen unter der KPMG-HotlineRufnummer 01 80/2 22 84 84 in der Zeit von 12 bis 20 Uhr zum Ortstarif anfordern. Sollten Sie darüber hinaus noch Fragen zu dem von Ihnen gerade bearbeiteten Fragebogen haben, können Sie uns unter der KPMGHotline-Rufnummer 01 80/2 22 84 84 in der Zeit von 12 bis 20 Uhr bis zum 28. Februar 1997 erreichen.


Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1997; 94: A-444-448
[Heft 8]


Literatur
1. Beschluß des Bewertungsausschusses gem. § 87 Abs. 3 SGB V vom 19. 11. 1996 (49. Sitzung). Dt Ärztebl 1996; 93: A-3364-3370 [Heft 50]
2. Statistisches Bundesamt, Unternehmen und Arbeitsstätten, Fachserie 2, Reihe 1.6.1, Seite 10, MetzlerPoeschel, Wiesbaden, 1994
3. A. Nissen: "Jetzt heißt es für Ärzte suchen, rechnen, kalkulieren und ausfüllen". Ärzte-Zeitung Nr. 182, S. 20, 10. 10. 1996
4. G. Paul: KBV-Fragebogen, gut gemeint - schlecht gemacht, in: Wirtschaftsmagazin für den Arzt, 12/96
5. O. Henker, 72764 Reutlingen, Stellungnahme zur geplanten KBV-Fragebogenaktion zur Gewinnung von Daten über Praxis- und Kostenstrukturen niedergelassener Ärzte, 2. 9. 1996
6. A. Nissen, H.-W. Dickhaut, 25474 Ellerbeck, Stellungnahme zur KBV/KPMG- Fragebogenaktion, 10. 10. 1996
7. A. Nissen: "Bei einfacheren Fragen sind mehr Ärzte gewillt, Erhebungen auszufüllen". Ärzte-Zeitung Nr. 9, S. 18, 17/18. 1. 1997
8. H.-U. Lang, A. Burhoff: "Besteuerung der Ärzte, Zahnärzte und sonstiger Heilberufe". NWB-Verlag, Herne, 1993
9. J. Falkenbach, W. Spiegels: "Steuerleitfaden für Ärzte und Zahnärzte". Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 1995
10. Steuerrechtliche Behandlung des Wirtschaftsguts "Praxiswert". BdF-Schreiben vom 15. 1. 1995
11. BFH-Beschlüsse vom 28. 6. 1995, XI R 34/93 und vom 19. 7. 1995, X R 48/94
12. Beiträge zu einer Praxisgründungs- oder Betriebsunterbrechungsversicherung als Betriebsausgaben, Vfg OFD Frankfurt vom 21. 10. 1986


Anschrift der Verfasser:
Dipl.-Kfm. Holger Goergen Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
Dr. med. Rolf-Rainer Riedel KPMG Deutsche Treuhand- Gesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Barbarossaplatz 1a
50674 Köln

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