ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 3/2006Vorsorgestrategien nach Lebensalter: Vier Phasen des Vermögensaufbaus

SUPPLEMENT: PRAXiS

Vorsorgestrategien nach Lebensalter: Vier Phasen des Vermögensaufbaus

Jobst, Peter

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In jungen Jahren ist das Geld meist knapp, kurz vor Rentenbeginn ist es jedoch zu spät: Der Vermögensaufbau erfordert eine lebenslange Planung.

Die jüngsten Meldungen über die staatliche Altersversorgung sind mehr als beängsti-gend. Nicht nur, dass das Rentenalter in den kommenden Jahren schrittweise auf 67 Jahre angehoben werden soll. Auch das durchschnittliche Rentenniveau wird mangels Einnahmen der staatlichen Leistungsträger auf absehbare Zeit weiter deutlich sinken. Nicht zuletzt dürften die Leistungen der Versorgungswerke in den kommenden Jahren wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase geringer ausfallen, als noch vor zehn Jahren taxiert. Die eigene Vorsorge ist damit zum unverzichtbaren Bestandteil des finanziell gesicherten Ruhestands geworden.
Tatsache ist zwar, dass die meisten Deutschen die finanzielle Vorsorge zwar durchaus ernst nehmen, letztlich aber nur einen sporadischen Vermögensaufbau betreiben. Heute einige Rentenwerte, morgen ein paar Aktien, nächsten Monat einen neuen Fondssparplan und irgendwann einmal ein Steuersparobjekt – das ist die „Strategie“, die von vielen gepflegt wird. Das Ergebnis ist ein buntes Sammelsurium aus unterschiedlichen Anlageprodukten, das weder aufeinander abgestimmt ist noch unter Chance-Risiko-Gesichtspunkten einen guten Erfolg erwarten lässt.
Besser ist daher eine sorgfältig abgestimmte Anlagestrategie, die laufend überwacht und an die persönlichen Lebensumstände angepasst wird. Bewährt hat sich dabei eine lebensphasenbezogene Betrachtungsweise, in der zwischen vier Zeitperioden zu unterscheiden ist:
Einstiegsphase. Sie dauert etwa bis zum 30. Lebensjahr und ist gekennzeichnet durch einen hohen Kapitalbedarf für den Berufseinstieg und den Aufbau einer eigenen, tragfähigen Existenz und die Familiengründung.
Aufbauphase. Sie dauert im Allgemeinen etwa bis zum 45. Lebensjahr und ist geprägt von der Sicherung der beruflichen Existenz, dem Kauf oder dem Bau eines eigenen Hauses und der Vergrößerung der Familie.
Handlungsphase. Sie dauert etwa bis zum 60. oder 65. Lebensjahr. Ihre Kennzeichen sind ein angemessener finanzieller Wohlstand, dem jedoch – zumindest in den ersten Jahren – noch relativ hohe Belastungen durch die Ausbildung der Kinder gegenüberstehen. Spätestens jetzt muss auch die Altersvorsorge abgerundet werden.
Erntephase. Sie beginnt mit dem Eintritt in den Ruhestand. Geprägt ist sie in erster Linie durch planmäßige Entnahmen aus dem eigenen Vermögen zur Sicherung eines finanziell unabhängigen Lebensabends.
Die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen sind allerdings fließend, auch ist zu unterscheiden, ob zum Beispiel Kinder finanziert werden müssen, ob die eigene Altersvorsorge durch gesetzliche und anderweitige Leistungen gesichert ist und welche finanziellen Mittel ohne eigenes Zutun, etwa durch Erbschaften, zu berücksichtigen sind. Betrachten wir die einzelnen Lebensphasen genauer.
Die Einstiegsphase
Größtes Problem in der Einstiegsphase ist zweifellos der Geldmangel. Sieht man einmal von finanziellen Zuflüssen, wie etwa Erbschaften oder der Unterstützung durch vermögende Eltern, ab, erfordert der Einstieg in das Berufsleben zunächst erhebliche Vorleistungen. Das Studium, Führerschein und erstes Auto, Gründung eines ersten Hausstands und die Ausbildung kosten oftmals viel Geld, gleichzeitig ist das Einkommen meist gering. Entsprechend spielt die Ersparnisbildung bei den meisten noch keine nennenswerte Rolle, vielmehr werden Dispo- und Ratenkredit oftmals in hohem Maß beansprucht.
Dennoch beginnt hier bereits die persönliche Vorsorgestrategie. Denn schließlich lassen sich auch mit kleineren Beträgen im Lauf der Zeit beachtliche Vermögenswerte aufbauen, zudem bedeutet jeder eingesparte Zins-Euro bei Finanzierungen weiteres Sparpotenzial. Als Anlageprodukte für die regelmäßige Rücklagenbildung eignet sich insbesondere das Sparbuch/Tagesgeldkonto für unvorhergesehene Ausgaben, kombiniert mit einem Sparplan und der Anlage der Vermögenswirksamen Leistungen. Erfahrungen sammeln können Anleger in dieser Phase aber auch bereits mit Wertpapieren: Fondsanlagen, Aktien und Finanzderivate, wie etwa Optionsscheine, eignen sich hervorragend, um die Märkte zu beobachten und – auch mit kleinerem Kapitaleinsatz – bereits den einen oder anderen Kursgewinn zu erzielen. Vermieden werden sollte jedoch in jedem Fall eine lange Bindung, etwa durch Versicherungspolicen bis ins hohe Alter: Erst wenn die Familienbildung abgeschlossen ist, sollte an entsprechende Vorsorgemaßnahmen gedacht werden.
Die Aufbauphase
In dieser Phase konzentriert sich das Leben in erster Linie auf drei Schwerpunkte: den Aufbau und die Sicherung der beruflichen Existenz, den Bau oder Kauf einer eigenen, selbstgenutzten Immobilie und die Vergrößerung der Familie. Ähnlich wie in der Einstiegsphase ist hier jedoch der finanzielle Spielraum meist auch noch gering, denn hohen Ausgaben steht ein erst langsam steigendes Einkommen gegenüber.
Neben dem cleveren „Schuldenmanagement“, bei dem die Konditionen aufgenommener Fremdmittel ebenso eine Rolle spielen wie die Laufzeit, sollte aber jetzt bereits in verstärktem Maß auf den Aufbau eines sicheren finanziellen Polsters geachtet werden. Denn jetzt ist noch ausreichend Zeit, Zins- und Zinseszins für sich arbeiten zu lassen. Unter langfristigen Gesichtspunkten sind Sparpläne mit Investmentfonds interessant, aber auch der Aktienanteil kann deutlich ausgebaut werden. Bewährt hat sich hier die Formel: „Aktienquote = 100 minus Lebensalter“, nach der zum Beispiel ein 30-Jähriger 70 Prozent in Aktien anlegen sollte, während ein 45-Jähriger nur noch 55 Prozent in Beteiligungswerten investieren sollte.
Die Handlungsphase
Nun wird es höchste Zeit, den Grundstein für die finanziell sorglose Zukunft zu legen. Das Einkommen ist angemessen, die berufliche Existenz ist gesichert und auch die finanziellen Belastungen durch Haus und Kinder fallen nach und nach weg. Insbesondere zu Beginn dieser Phase empfiehlt sich die Wahl besonders renditestarker Produkte, die im weiteren Verlauf durch steuersparende Kapitalanlagen ergänzt werden. Achten sollten Anleger jetzt besonders auf eine lediglich angemessene Immobilienquote von unter 50 Prozent des eigenen Vermögens, aber auch der Aktienanteil sollte anfangs zwar noch hoch sein, im Verlauf jedoch reduziert werden. Stattdessen spielen festverzinsliche Wertpapiere nun eine immer wichtigere Rolle, insbesondere dann, wenn die Handlungsphase in eine Periode mit hohen Kapitalmarktzinsen fällt.
Die Erntephase
Sicherheit und Komfort wird in der Erntephase großgeschrieben. Aktien-Engagements sollten nunmehr ebenso zurückgefahren werden wie „arbeitsaufwendige“ Geldanlagen, die eine regelmäßige Überprüfung erfordern. Hinsichtlich der Bequemlichkeit eignen sich insbesondere „unkomplizierte“ Anlageformen wie etwa Investment-Rückzahlungspläne oder die private Rentenversicherung, aber auch mit festverzinslichen Wertpapieren lassen sich interessante Lösungen gestalten. Zunehmend achten sollten Anleger jetzt auch auf die möglichst steuerschonende Vermögensübertragung, zum Beispiel über eine Schenkung zu Lebzeiten. Peter Jobst
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