ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2006Übergänge. Wendepunkte und Zäsuren in der kindlichen Entwicklung

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Übergänge. Wendepunkte und Zäsuren in der kindlichen Entwicklung

PP 5, Ausgabe September 2006, Seite 419

Thun-Hohenstein, Leonhard

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Kindliche Entwicklung: Verschiedene Perspektiven
Leonhard Thun-Hohenstein (Hrsg.): Übergänge. Wendepunkte und Zäsuren in der kindlichen Entwicklung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2005, 122 Seiten, kartoniert, 16,90 €
Dieser kleine Sammelband beleuchtet aus unterschiedlichen Perspektiven Wandlungs- und Übergangsprozesse in der (früh-)kindlichen Entwicklung. Die gemeinsame Klammer der Beiträge ist gegeben in der die einzelnen Beiträge durchziehenden Auffassung von Entwicklung als Genexpression im Rahmen der gebrauchsabhängigen Entwicklung des Gesamtorganismus.
Brisch (Wechselspiel von Genetik, Verhalten und Psychodynamik) und Rüegg (Psychoneuroimmunologie: die reziproke Beziehung zwischen Gehirn und Immunsystem) erläutern dies einleitend anhand der Arbeitsweise psychosomatischer und somatopsychischer Regelkreise. Trotz der für viele nach wie vor ungewohnten Neuro-Nomenklatur gelingt es beiden Autoren, die grundlegenden Zusammenhänge gut verständlich darzulegen. Besonderes Augenmerk legen sie hierbei darauf, wie der psychophysische Organismus an entwicklungs- und reifungsbedingten „Sollbruchstellen“ – so genannten kritischen und sensiblen Phasen – besonders aufnahme- und umsetzungsfähig wird für neu eintreffende Informationen, aber auch anfällig für entgleisende Entwicklung (erhöhte Vulnerabilität), bevor er zu einem neuen, passageren Gleichgewicht kommt. Eine besondere Rolle spielen hierbei abweichende, suboptimale Milieueinflüsse beziehungsweise auf der anderen Seite Resilienzfaktoren.
Gloger-Tippelt resümiert ihre langjährigen Erfahrungen zur Frage des psychosozialen Übergangs zur Elternschaft mit den dafür notwendigen Entwicklungsschritten in Richtung eines „hinreichend guten Mutter-/Vater-Seins“. Daran schließt nahtlos der Beitrag von Largo und Benz-Castellano zu Entwicklungsaufgaben und Krisen in den ersten Lebensjahren an. Die Autoren erörtern einige allfällige Krisensituationen im Miteinander von Eltern-Kind-Paaren.
Besonders herzuvorheben ist der Beitrag von Möhler und Resch, weil die Untersuchungen dieser beiden Autoren dem deutschen Publikum bislang kaum bekannt sind. Der Beitrag fokussiert auf die Pathogenese externalisierender und internalisierender Störungsbilder in den ersten drei Lebensjahren unter Bezug auf empirische Untersuchungen an Kindern und Eltern sowie Befunden zur Entwicklungsneurobiologie des „executive functioning“ beziehungsweise der Fähigkeit zur Selbst- und Affektregulation. Hieraus werden Vorschläge zur Prävention und einschlägigen Elternberatung abgeleitet.
Das Buch kann als Einstiegslektüre in das Gebiet der kindlichen Entwicklung unbedingt empfohlen werden. Michael Naumann-Lenzen
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