ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2006Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes

BÜCHER

Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes

Kandel, Eric R.

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LNSLNS Hirnforschung: Spannende Einblicke
Eric R. Kandel: Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes. Suhrkamp, Frankfurt/Main, 2006, 341 Seiten, gebunden, 28 €
Einer der berühmtesten lebenden Hirnforscher gibt in seinem neuen Buch einen spannenden und tiefen Einblick in die Neurobiologie von Geist und Gehirn. Eric R. Kandel hat sechs Aufsätze zusammengestellt, die er in den Jahren 1979 bis 2001 in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht oder als Fachvorträge gehalten hat. Das Programm von Kandel, dem im Jahr 2000 der Nobelpreis für Medizin verliehen wurde, ist äußerst anspruchsvoll und umfangreich. Der Autor bemüht sich einerseits um das Verständnis grundlegender Mechanismen der Hirnorganisation, andererseits behandelt er Fragen des Fachgebietes der Psychiatrie und beschäftigt sich mit der Effizienzforschung psychotherapeutischer Interventionen. 1929 in Wien geboren, 1939 in die USA ausgewandert, hat Kandel sich in seiner frühen beruflichen Orientierung der Psychiatrie zugewandt, sich später aber der neurowissenschaftlichen Forschung verschrieben. Ab 1963 betrieb er in Harvard seine berühmten Forschungen an der Meeresschnecke Aplysia, und betreute gleichzeitig Assistenzärzte mit einigen Wochenstunden bei ihrer psychotherapeutischen Arbeit.
Kandels grundlegende Perspektive ist die Einsicht, dass geistige Zustände auf Hirnprozessen beruhen und dass es für alle sozialen Handlungen entscheidende biologische Grundlagen gibt. Für Erkrankungen des Gehirns gilt das Gleiche: Bei Erkrankungen sind bestimmte Regionen des Gehirns durch deutliche Veränderungen der Aktivität betroffen. Für Kandel war das Studium von Veränderungen besonders wichtig. Er wird als der erste Wissenschaftler gesehen, der nachwies, dass Lernen zu Veränderungen an den Synapsen führt und dass diese Veränderungen profunde Auswirkungen auf Gedächtnisprozesse haben. Für die Psychotherapie wurden in späteren Jahren auf dem Gebiet der Verhaltenstherapie die am besten dokumentierten neurobiologischen Veränderungen nach therapeutischen Interventionen gezeigt.
Die einzelnen Aufsätze Kandels wurden von Fachleuten mit Kommentaren versehen, die beim Verständnis und beim Einordnen der Artikel helfen. Das Gleiche gilt für das Vorwort von Gerhard Roth und die Einführung des Autors in wichtige Aspekte seines beruflichen Lebens und Werkes. Joachim Koch
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