ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2006Art Basel: Gang durch die Kunstgeschichte

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Art Basel: Gang durch die Kunstgeschichte

PP 5, Ausgabe September 2006, Seite 422

Jaeschke, Helmut

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Christine Streuli: „Feuerrad“, 2006, Lack auf Baumwolle, 240 x 190 cm Foto: Gerda Jaeschke
Christine Streuli: „Feuerrad“, 2006, Lack auf Baumwolle, 240 x 190 cm Foto: Gerda Jaeschke
Die „Königin der Kunstmessen“ bestätigte ihren Ruf als weltweit bedeutendster Handelsplatz für moderne Kunst.

Wenn vom „Olymp des Kunstmarkts“ oder der „Königin der Kunstmessen“ die Rede ist, dann kommt keine andere Kunstmesse als die „Art Basel“ für diese Superlative infrage. Und auch dieses Jahr bestätigte die „Art Basel“ ihren Ruf als weltweit bedeutendster Handelsplatz für moderne Kunst. Zwar verschob sich auch dort der Messeschwerpunkt immer mehr von der klassischen Moderne zur Kunst der Nachkriegszeit und zur zeitgenössischen Kunst, aber für alle Bereiche gilt gleichermaßen, die Umsätze waren gewaltig, auch wenn man kaum rote Punkte an den Ständen sah. Dies hatte nichts mit Understatement oder Diskretion zu tun, vielmehr blockierten nach den Erfahrungen der Galeristen Verkaufspunkte Gespräche mit Besuchern. Und diese sind wichtig, gerade für ein neues junges, offensichtlich vermögendes Publikum, das noch wenig Erfahrung mitbringt, aber begierig auf die jüngsten Trends in der Kunst ist.
Das prickelnde Gefühl, auf Augenhöhe mit den Künstlern am Entstehungsprozess von Kunst teilzuhaben, treibt diese Sammler an. Leicht wird dabei Aktualität mit Qualität gleichgesetzt. Doch nirgendwo kann man besser als auf der „Art Basel“ bei einem Gang durch die Kunstgeschichte der Moderne sein Gespür für Qualität schärfen. Allein Picasso wurde von 28 Galerien angeboten, vorwiegend mit den frechen Spätwerken, die noch heute junge Maler nachhaltig beeinflussen. Leger und Matisse waren kaum weniger oft vertreten. Die Galerie Landau, Montreal, beeindruckte mit einer großen Liegenden von Henry Moore und zwei Gemälden von Magritte. Die Galerie Brusberg, Berlin, glänzte mit Unikaten von Max Ernst, Paul Delvaux und Bruno Goller im klassischen Bereich, wagte aber auch eine aufwendige Präsentation eines jüngeren amerikanischen Malers, Tim Doud (geboren 1961), mit durchaus eigenständigen realistischen Porträts zu Preisen zwischen 4 500 und 15 000 Euro. Die Galerie Thomas, München, hatte wie immer eine faszinierende museale Kollektion aufgefahren. Sie reichte von Max Beckmann über Kandinsky, Kirchner und Nolde bis zu einem erst vor zehn Jahren entstandenen Bild des Pop-Art-Künstlers James Rosenquist für 275 000 Euro, das zeigt, dass er nichts von seiner Schaffenskraft eingebüßt hat.
„Art Statements“
Die Preise der zurzeit sehr gesuchten und besonders von Amerikanern hofierten jungen Maler Leipziger und Dresdener Provenienz schrauben sich mittlerweile zu ähnlichen Höhen hoch. Es mehren sich jedoch die Stimmen, die die figurative Malerei gerade an den deutschen Ständen als „lauen Aufguss durchgekauter Trends“ abqualifizieren. Nicht ganz so spektakulär, aber dafür nachhaltig, hat sich die Wertschätzung für Werke des in Düsseldorf lebenden Schweizer Malers Thomas Huber (geboren 1955) entwickelt. Seine beiden großformatigen Raum- Bilder waren bei der Galerie Skopia, Genf, bereits am ersten Messetag verkauft (20 000 und 28 000 Euro). Auch die zwanzig Jahre jüngere Schweizer Malerin Christine Streuli kann nicht mehr als Neuentdeckung bezeichnet werden, denn dreimal hintereinander hat sie bereits den Swiss Artist Award gewonnen, und entsprechend kann sie für ihre ornamentalen, aber höchst spannungsreichen Bilder Preise bis zu 12 000 Schweizer Franken verlangen.
Der Spezialsektor „Art Statements“ bot 22 Galerien die Möglichkeit, in einer Einzelausstellung einen jungen Künstler zu ermäßigten Konditionen vorzustellen. Isa Melsheimer (Galerie Barbara Wien, Berlin) spielte in ihrer großen Installation „Wuchern“ gekonnt mit der Musealisierung von Objekten und Modellen, deren historische Bedeutung gleichwohl vage bleibt und den Betrachter anregt, mit ihnen Geschichten zu konstruieren.
Dr. med. Helmut Jaeschke
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