BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Maren: Neue Hoffnung

PP 5, Ausgabe September 2006, Seite 432

Bachmann, Christian

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LNSLNS Die 18-jährige Maren ist an einer bipolaren affektiven Störung erkrankt. Die Umstände der Aufnahme waren eindrucksvoll: Maren war aus ihrer Wohngruppe weggelaufen. Erst nach anderthalb Tagen wurde sie im Rahmen einer groß angelegten Suchaktion unterkühlt und völlig erschöpft in einem Waldstück aufgefunden, wo sie depressiv-stuporös unter einem Baum kauerte.
Foto: Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Marburg
Foto: Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Marburg
Umso erfreulicher war der Verlauf während der stationären Behandlung. Unter zunächst psychopharmakologischer Therapie, später ergänzt durch verhaltens- und kreativtherapeutische Elemente, konnte Maren sich von ihren Suizidwünschen distanzieren und allmählich wieder Perspektiven entwickeln. So ist auch das in der Ergotherapie entstandene Bild zu verstehen: Es drückt das Erwachen neuer Hoffnung aus, was sich – analog zur Jahreszeit während Marens Klinikaufenthalt – auch im Titel „Frühlingsstimmung“ abbildet.
Dieses langsame Erwachen neuer Hoffnung und neuen Lebensmutes spiegelt sich auch im Entstehungsprozess des Bildes wider: Zunächst zeichnete die Patientin zaghaft mit dürren Bleistiftstrichen einen recht kargen Entwurf für das Gesamtbild. Dieser wurde dann in den weiteren ergotherapeutischen Stunden – entsprechend der allmählichen Besserung von Marens Stimmung – Schritt für Schritt mit Farbtönen, die die Patientin mit den Begriffen „Leben“ und „positiv“ assoziierte, ausgefüllt, sozusagen „belebt“. In den teilweise recht kindlich wirkenden Bildelementen klingt zudem die in den therapeutischen Gesprächen deutlich werdende Sehnsucht nach einer idealisierten Welt wie vor Erkrankungsbeginn an, einer Welt, in der die von Maren häufig als übermächtig empfundene Herausforderung des Erwachsenwerdens, der Konflikt zwischen kindhaftem Beschütztwerden und Eigenverantwortung, noch nicht existiert. Christian Bachmann
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