POLITIK

Bronze für Deutschland

PP 5, Ausgabe September 2006, Seite 396

Spielberg, Petra

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LNSLNS Beim Leistungsangebot und beim Zugang zur medizinischen Versorgung ist Deutschland europaweit Spitze. In puncto Patientenrechte und -information hingegen kann sich das deutsche Gesundheitssystem bei einigen seiner europäischen Nachbarn noch eine Scheibe abschneiden. Deshalb gab es beim Europäischen Gesundheitskonsumentenindex (EGKI) 2006 für Deutschland „nur“ die Bronzemedaille. Den ersten und zweiten Platz beim Vergleich der Gesundheitssysteme von 26 europäischen Ländern belegten Frankreich und die Niederlande.
Erstmals hat das schwedische Unternehmen Health Consumer Powerhouse (HCP) die Gesundheitssysteme der 25 EU-Länder und der Schweiz aus Sicht der Patienten kritisch geprüft. Neben Befragungen von Patientenorganisationen und Verantwortlichen aus dem Gesundheitsbereich zog HCP offizielle Quellen, wie die WHO und die OECD, zu Rate. Der Ländervergleich erfolgte anhand der Kategorien „Patientenrechte und -information“, „Wartezeiten“, „medizinische Qualität“, „Leistungsangebot“ und „Arzneimittel“. Für Arne Björnberg, der für den Index verantwortlich zeichnet, wurde dabei deutlich: „Gesundheitssysteme mit einer langen Tradition und einem Mix aus öffentlich-rechtlicher und privater Finanzierung bieten den besten Service aus dem Blickwinkel der Verbraucher.“ Nach Ansicht von HCP-Präsident Johan Hjertqvist gibt es im deutschen Gesundheitssystem nur wenige wirkliche Schwachpunkte. Was fehle, sei eine gesetzliche Regelung der Patientenrechte. Auch ließe sich die Qualität einiger medizinischer Leistungen noch verbessern. Björnberg bemängelt vor allem, dass es in Deutschland relativ schwierig ist, verständliche und aktuelle Informationen über Arzneimittel zu bekommen. Auch erzielten die nordischen Länder bessere Ergebnisse bei den Sterberaten nach Brust- oder Darmkrebs oder hinsichtlich des Auftretens von Infektionen mit multiresistenten Staphylokokken-Erregern. Top ist das deutsche Gesundheitssystem dem EGKI zufolge hingegen, was das Fehlen von Wartelisten angeht sowie beim Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung. Optimal sei, dass in Deutschland die zahnärztliche Versorgung zum Leistungsangebot der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung gehört und die Arzneimittelversorgung immer auf dem neuesten Stand ist. HCP verweist jedoch auf die Problematik seines Rankings: Die Datenlage sei nicht immer vergleichbar und die Informationsbeschaffung zuweilen schwierig. ps
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