ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2006Psychotherapie bei Schwindelerkrankungen

BÜCHER

Psychotherapie bei Schwindelerkrankungen

Schaaf, Helmut

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Schwindelerkrankungen: Klarheit finden
Helmut Schaaf: Psychotherapie bei Schwindelerkrankungen. Asanger Verlag, Kröning, 2006, XI, 125 Seiten, kartoniert, 19,50 €
Es handelt sich um ein schlankes, kleines Buch von einem durch seinen Beruf und eigenen Erfahrungen mit der Menière-Krankheit motivierten Autor. Zielgruppe sind sowohl Ärzte als auch Psychologen. Bei beiden Gruppen gibt es übereinstimmend häufig Unbehagen in der Beurteilung dieses von Patienten häufig beklagten Phänomens. Viele Behandler sehen ähnlich dem Patienten „nicht so richtig klar“.
Im Bemühen, keine Differenzialdiagnose zu übersehen, ist die ärztliche Seite tendenziell geneigt, zu einseitig auf eine „mögliche“ organische Genese zu bestehen und so zur Chronifizierung psychogener Erkrankungen beizutragen. Von psychotherapeutischer Seite wird dagegen gelegentlich nicht ausreichend das umfassende interdisziplinäre Spektrum somatischer Schwindelursachen gewürdigt. Um dem gerecht zu werden, wird im Buch der „Schwindel“ von den verschiedenen Polaritäten aus betrachtet. Es gelingt, eine Balance zwischen primär somatischen und primär psychogenen Erklärungen zu finden.
Die jeweiligen Abhandlungen sind zwar nur kurz, ermöglichen dafür aber auch für den nicht schwindelerfahrenen Behandler einen guten Überblick zu den häufigsten Ursachen. Konkret heißt das: Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie werden kurz und verständlich dargestellt. Daneben werden die verschiedenen psychischen Entstehungsmöglichkeiten diskutiert. Mehrere ausführliche Kasuistiken verdeutlichen anschaulich typische Phänomene, wie zum Beispiel die reaktive (psychische) Schwindelentstehung nach primärer organischer Erkrankung. Bei den psychologischen Erläuterungen werden tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Betrachtungen weitgehend gleichberechtigt dargeboten. Allerdings wird die differenzielle Indikation der verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren insgesamt, außer beim phobischen Schwindel, zumeist nicht deutlich. In der Praxis wird sich die Wahl aber ohnehin vor allem nach den Erfahrungen des Behandlers richten.
Fazit: Das Buch ist empfehlenswert für alle, die sich beim Schwindelpatienten auch etwas „schwindlig“ fühlen. Sie werden Klarheit finden und im besten Fall für die speziellen Probleme der Schwindelbetroffenen sensibilisiert. Robert Franzke
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