ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2006Gehirn, Psyche und Körper. Neurobiologie von Psychosomatik und Psychotherapie

BÜCHER

Gehirn, Psyche und Körper. Neurobiologie von Psychosomatik und Psychotherapie

PP 5, Ausgabe September 2006, Seite 420

Rüegg, Johann Caspar

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Psychosomatik: Die Kluft schließen
Johann Caspar Rüegg: Gehirn, Psyche und Körper. Neurobiologie von Psychosomatik und Psychotherapie. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage, Schattauer GmbH, Stuttgart, New York, 2006, XIV, 242 Seiten, 15 Abbildungen, gebunden, 34,95 €
Das Buch erlebt in stark überarbeiteter Form seine dritte Auflage. Dies weist auf die große Aktualität, aber auch auf die kurze Halbwertszeit gesicherten Wissens in diesem Forschungsgebiet hin. Dem Autor, emeritierter Ordinarius für Physiologie, ist es hervorragend gelungen, den „State of the art“ in klarer Gliederung, Sprache und didaktischer Aufbereitung darzulegen. Er ist dabei dem Ziel verpflichtet, mit dem lebenslang gesammelten Wissen aus den verschiedenen Zweigen der Neurowissenschaften und der Psychosomatik zu einer Aufwertung der „sprechenden Medizin“ und als deren Teil, der Psychotherapie, beizutragen. Bewusst stellt er sich damit in die Reihe mit Balint, Weizsäcker, Uexküll und Mitscherlich – er „updated“ sie gewissermaßen.
Was jene schon vermuteten, aber in aus heutiger Sicht unzulänglichen Modellen darlegten, dass nämlich das Gehirn in Aktion, beispielsweise durch Psychotherapie und gleichsam als „Software“, Einfluss nehmen kann auf Soma und Gehirn als „Hardware“ (was der Computer nicht leisten kann), dass es sich also neuroplastisch selbst beeinflussen/heilen kann – dies kann mittlerweile schlüssig belegt werden. So ist es nur folgerichtig, dass das Buchcover diesen Grundgedanken, der sich durch das gesamte Buch zieht, auch bildhaft belegt mit PET-Bildern (Prä-/Post-Psychotherapie).
Diese Überzeugung wird im Hinblick auf ihre neuropsychophysiologischen Grundlagen in einem Eröffnungskapitel expliziert und in den Folgekapiteln exemplarisch an wesentlichen psychosomatischen Krankheitsbildern dargelegt (Myalgien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Besondere Beachtung finden dabei in drei eigenen Kapiteln die Forschungsbefunde der Psychoendokrinologie, der Psychoimmunologie und der Gedächtnisforschung.
Die Sprache ist verständlich, der wissenschaftliche Apparat ist aus dem Text ausgegliedert, sodass der Leser selbst entscheiden kann, wie tief er einsteigen möchte. Das Buch sollte dazu beitragen, die keinem Erkenntniszweck dienende Kluft zwischen somatisch und psychosomatisch orientierter Medizin und Psychotherapie zu schließen.
Michael Naumann-Lenzen
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