ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2006Schlecht besprochen, gut gelaufen

GELDANLAGE

Schlecht besprochen, gut gelaufen

Dtsch Arztebl 2006; 103(37): A-2415 / B-2096 / C-2020

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wenn alle einer Meinung sind, das gilt an der Börse wie anderswo auch, ist es immer schwer, mit seiner konträren Auffassung gegenzuhalten. Die persönliche Verunsicherung nimmt in dem Maße zu, je mehr Profis in das gleiche Horn blasen, die Herren Kenner der Szene müssten es ja eigentlich besser wissen, also lieber nicht allzu sehr auf das eigene Gefühl vertrauen.
Dieses Phänomen gilt umso mehr, je drastischer die Mehrheit der Wertpapierprofis den Daumen zu einer Aktie senkt. In einer solchen Situation seine Anlagemeinung nicht umzuwerfen, schaffen dann nur wenige; der Homo oeconomicus wird dann zu einem Homo espenlaubiensis.
Ob diese Form des Herdentriebes allerdings zu einem guten Ende führt, kann füglich bezweifelt werden. Erinnern Sie sich noch daran, wie im Jahr 2004 der Börsengang der Postbank vom Markt aufgenommen wurde? Es war das reine Fiasko.
Wäre es nach der versammelten Expertenschar gegangen, hätte es die Postbank als Börsenwert niemals gegeben, nicht geben dürfen, so sehr wurde die Emission von Analysten, Fondsmanagern und was weiß der Teufel noch von Aktienauguren jeglicher Couleur runtergemacht. Die damalige Kontrafront war durchgängig. „Das kann nichts werden.“ Die Postbank sei ein verstaubter Beamtenladen, die Kunden würden nur angeschnauzt, von Markt keine Ahnung und so weiter.
Die Verunsicherung war so gewaltig, dass vor gut zwei Jahren der Börsengang fast abgesagt wurde, die herrschende Meinung damals war, dass die Postbank selbst am unteren Rand der Angebotsspanne von 31,50 Euro total überteuert wäre. Vor lauter Schreck platzierte das Emissionskonsortium die Aktie dann tatsächlich zu einem Preis von 28,50 Euro. Selbst auf dieser Basis quälte sich die Emission nur mühsam aufs Börsenparkett.
Alles falsch. Heute hat die Deutsche Postbank im Aktienkurs einen Gewinn von 100 Prozent auf dem Buckel, der Anleger hätte, ohne großes spekulatives Risiko, einen Riesenreibach gemacht, und die Postbank präsentiert sich plötzlich als eine Bank, die in den Hitlisten als renditestark und kundenfreundlich dargestellt wird. Mittlerweile gilt das Institut sogar als idealer Übernahmekandidat.
Ein Einzelfall? Mitnichten. Die Lanxess-Abspaltung von Bayer wie auch die Trennung der Hypo Real Estate von der Mutterbank wurden vom Markt ebenso ungnädig aufgenommen und können heute mit glänzenden Kursgewinnen aufwarten. Es lohnt sich also doch, erstens eine eigene Meinung zu haben und sie zweitens auch durchzuhalten.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.