ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2006Hausärztliche Versorgung: Klare Aufgabenteilung

POLITIK

Hausärztliche Versorgung: Klare Aufgabenteilung

Dtsch Arztebl 2006; 103(37): A-2354 / B-2046 / C-1967

Kaplan, Max

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LNSLNS Nur ein einheitlich qualifizierter Hausarzt sichere eine qualifizierte hausärztliche Versorgung und stärke dadurch die Kooperation
zwischen den klar definierten Versorgungsebenen,
meint Dr. med. Max Kaplan vom Deutschen Hausärzteverband.


Die Novelle der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung aus dem Jahr 2002 hat den Internisten ohne Schwerpunkt abgeschafft, und sie hat ihn zum Auslaufmodell gemacht. Diese These des ehemaligen Präsidenten der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Dr. med. Hans Hege, kann nicht unwidersprochen bleiben (siehe DÄ, Heft 24/2006). Ohne auf die Diskussion über eine Änderung der Weiter­bildungs­ordnung im Sinne eines Weiterbildungsganges zum Facharzt für „Allgemeine Innere Medizin“ für die fachärztliche Versorgung einzugehen, ist festzuhalten, dass jeder Facharzt für Innere Medizin, der in seiner Weiterbildung darüber hinaus die Qualifikation zu einem Schwerpunkt erworben hat, trotzdem Facharzt für Innere Medizin bleibt. Auch kann man die Weiterbildungszeit in der allgemeinen Inneren Medizin und die Weiterbildungszeit zum Schwerpunkt nicht scharf trennen, sondern in beiden Weiterbildungsabschnitten werden sowohl Inhalte des Schwerpunktes als auch Inhalte der allgemeinen Inneren Medizin vermittelt. Dies kam auch in der alten Weiter­bildungs­ordnung zum Ausdruck, in der die Hälfte der Weiterbildungszeit zur Schwerpunktqualifikation in der Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin versenkt werden konnte.
Bereits in der ersten Weiter­bildungs­ordnung von 1924 wurde ausdrücklich geregelt, dass der Facharzt – also auch der Facharzt für Innere Medizin – keine „hausärztliche Praxis“ betreiben darf. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die bayerische Berufsordnung, die der 10. Bayerische Ärztetag am 28. September 1957 beschloss, in § 34 (Pflichten der Fachärzte) folgende Bestimmung enthielt: „(2) Fachärzte müssen sich grundsätzlich auf das Fach beschränken, dessen Facharztbezeichnung sie führen, und dürfen eine allgemeinärztliche oder allgemein-vertrauensärztliche Tätigkeit nicht ausüben.“ Folglich ist Heges Feststellung zu widersprechen, dass nie daran gedacht gewesen sei, den Internisten von der hausärztlichen Tätigkeit auszuschließen.
Aufgrund des medizinischen Fortschritts und als Folge des zunehmenden Wissens wurde es notwendig, dass der für die Basisversorgung der Patientinnen und Patienten zuständige praktische Arzt eine strukturierte Weiterbildung absolviert. Deshalb wurde in die Weiter­bildungs­ordnung 1968 das Fachgebiet „Allgemeinmedizin“ aufgenommen.
Der hohe Anspruch an medizinisches Überblickwissen und die damit einhergehenden hohen Ansprüche an die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin führten dazu, dass die Weiter­bildungs­ordnung sowohl inhaltlich als auch bezüglich ihres zeitlichen Umfangs öfter geändert wurde. Ursprünglich war eine Weiterbildungszeit von vier Jahren (1968), dann von drei Jahren (1993) und letztendlich von fünf Jahren (1998) vorgeschrieben.
Zurzeit besteht noch eine uneinheitliche Qualifizierung als Hausarzt: Es gibt den „Arzt“, den „Praktischen Arzt“, den „Facharzt für Allgemeinmedizin“, den „Facharzt für Innere Medizin“ und künftig auch den „Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin“, was einerseits die Patienten verunsichert und andererseits die Attraktivität des Berufsbildes „Hausarzt“ für den Nachwuchs nicht gerade fördert.
Die Europäische Union fordert in der bereits seit 1986 existierenden Richtlinie über eine spezifische Ausbildung in der Allgemeinmedizin (86/457/EWG), die 1993 als „Titel IV“ in der Richtlinie 93/16 aufging, dass ab dem 1. Januar 1995 jeder Hausarzt, der im Sozialversicherungssystem tätig wird, im Besitz eines entsprechenden Diploms ist und einen strukturierten Weiterbildungsgang nachweist.
Es bestand somit schon allein aufgrund der EU-Richtlinie die Notwendigkeit, einen einheitlich qualifizierten Hausarzt zu schaffen, um ein Vertragsverletzungsverfahren zu verhindern. Diese Situation haben sowohl die Internisten als auch die Allgemeinmediziner beim 104. Deutschen Ärztetag 2001 in Ludwigshafen erkannt und deshalb beschlossen, diesen einheitlich qualifizierten Hausarzt zu schaffen, dessen Weiterbildungsweg so flexibel gestaltet werden sollte, dass dieser dem Versorgungsbedarf der Patienten sowohl in ländlichen Regionen als auch in den Städten gerecht wird.
Mit dem novellierten Weiterbildungsgang zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin ist dies in hervorragender Weise gelungen, indem die Möglichkeit geschaffen wurde, von der vorgeschriebenen dreijährigen Weiterbildungszeit in der Inneren Medizin ein Jahr aufgesplittet in bis zu vier Abschnitten in anderen patientennahen Fächern zu absolvieren. Gerade durch die vom 106. Deutschen Ärztetag 2003 in Köln verabschiedete (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung ist gewährleistet, dass ausschließlich der Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin hochqualifiziert das gesamte Spektrum der hausärztlichen Versorgung abdeckt und der Internist konsequenterweise ausschließlich für die fachärztliche Versorgung zuständig ist.
Dr. med. Max Kaplan,
Deutscher Hausärzteverband
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