ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2006Schlaganfall-prophylaxe: Stenting nicht besser als OP

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Schlaganfall-prophylaxe: Stenting nicht besser als OP

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Die operative Ausschälung einer Karotisstenose und die Stent-Behandlung sind gleichermaßen geeignet, einen Schlaganfall zu verhindern. Das berichtet die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Werner Hacke von der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg in Lancet (online). Jährlich erleiden etwa 20 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, der durch extrakranielle Karotisstenosen verursacht wird. Die Endarteriektomie gilt als etablierte Methode, diesem Ereignis vorzubeugen. Alternativ biete sich die Ballondilatation der Arterie mit Stent-Implantation an. Obwohl das minimalinvasive Verfahren in Deutschland bereits sehr häufig angewendet wird, ist seine Überlegenheit gegenüber der Operation wissenschaftlich nicht belegt. „Das Stenting wurde ohne Datenunterlage als überlegene Therapie verkauft“, erklärt Hacke, der auch Vorsitzender des SPACE-Steering-Komitees ist. Mit der 2001 gestarteten SPACE-Studie (Stentgestützte Angioplastie der Karotis versus Endarteriektomie), an der sich 33 gefäßchirurgische Zentren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligten, sollte die Wertigkeit der beiden Verfahren in Bezug auf Behandlungsrisiko und Langzeitvorbeugung geprüft werden. Einschlusskriterien waren der duplexsonographische Nachweis einer >/=70-prozentigen Karotisstenose (beziehungsweise angiographisch >/=50-prozentigen Stenose nach NASCET-Kriterien) mit Symptomen (Amaurosis fugax, TIA, leichter Schlaganfall) innerhalb der letzten 180 Tage.
OP-Methode, Wahl des Stents oder des Protektionssystems (optional) lagen im Ermessen des Therapeuten. Zwischen März 2001 und Januar 2006 wurden 1 200 Patienten randomisiert. Die 30-Tages-Ergebnisse zeigen für den primären Endpunkt eine absolute Differenz von 0,51 Prozent zwischen Stenting (5,84 Prozent) und Operation (5,34 Prozent). Aufgrund eines sehr breiten Konfidenzintervalls (–2,37 bis 3,39 Prozent) besteht jedoch keine statistische Äquivalenz. Für die sekundären Endpunkte zeigte sich eine Tendenz zu besseren Ergebnissen nach CEA, diese Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant. Welche Behandlung im Einzelfall vorgezogen werde, müssten die Ärzte bei jedem Patienten individuell abwägen.
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

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