ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2006Stottern – Pathogenese und Therapie: Klopfmethode
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LNSLNS Ein sehr guter Artikel, der an Inhalt und Übersicht nicht zu überbieten ist. Als Ergänzung würde ich gern meine therapeutischen Erfahrungen mit der Klopfmethode vorstellen.
Theoretisch gehe ich von der Breakdown-Theorie aus und halte Stottern und Stammeln für eine zentrale Funktionsstörung der Koordination von Sprachmuskulatur, Atmung und Antrieb. Bei frühzeitiger Anwendung, intensivem Training und ausreichender Dauer (Wochen bis Monate) der Behandlung können Stammeln und Stottern wesentlich gebessert und nicht selten dauerhaft korrigiert werden.
Ich benutze die Klopfmethode, die von der Anwendung des Haptometronoms (Schienagel, München) ausgeht. Da die Methode passiv ist und wenig zur Mitarbeit motiviert, übe ich mit den Kindern und Jugendlichen unter Einbeziehung deren Eltern:
Nach bewusstem Einatmen wird langsam mit dem Sprechen begonnen, das vom rhythmischen Klopfen des Fingers auf den Tisch begleitet wird. Es sollte kontinuierlich rhythmisch gesprochen werden und dieser Sprachrhythmus sollte dann ohne Klopfen beibehalten werden.
Später werden nur noch die ersten fünf bis acht Silben geklopft, danach kann der Rhythmus mit Daumen und Zeigefinger angedeutet werden, später auch mit dem Vorfuß.
Hat sich dieser Sprachbeginn automatisiert, bleibt nur das bewusste ruhige Atmen vor dem Sprechen und das Orientieren bei Sprachbeginn auf die Finger oder den Vorfuß.
Meine diagnostische Empfehlung: Bei Patienten mit Stammeln oder Stottern immer eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit und ohne Hyperaktivität ausschließen, denn das ist die häufigste zentrale Funktionsstörung, die mit Sprachstörungen einhergeht. Hier erleichtert dann die Gabe von Stimulanzien die Therapie.
Dr. med. Helga Simchen
Bonifaziusplatz 4a
55118 Mainz

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