ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2006Genom von Mamma- und Kolonkarzinomen entschlüsselt

AKTUELL: Akut

Genom von Mamma- und Kolonkarzinomen entschlüsselt

Dtsch Arztebl 2006; 103(38): A-2430 / B-2110 / C-2034

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Zahl der genetischen Veränderungen in Krebszellen ist größer als bisher angenommen. Statt einem Dutzend von Abweichungen im Genom gesunder menschlicher Zellen fanden US-Genforscher beim Mamma- und Kolonkarzinom fast 1 500 Mutationen, von denen etwa 200 einen deutlichen Einfluss auf den Zellstoffwechsel haben könnten. Erste Ergebnisse vom „The Cancer Genome Atlas“-Projekt wurden in Science (2006; doi: 10.1126/science.1133427) publiziert.
Im Dezember 2005 hatten Forscher der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore damit begonnen, das Genom von elf Mammakarzinomen und elf Kolonkarzinomen zu entschlüsseln. Bei beiden Krebsarten spielen genetische Veränderungen eine treibende Rolle in der Pathogenese. Gynäkologen ist dies bewusst, da der Antikörper Trastuzumab an einen Rezeptor bindet, der durch das Krebsgen Her2-neu gebildet wird. Beim Darmkrebs wird der Übergang vom gutartigen Polypen zur malignen Neoplasie von genetischen Veränderungen begleitet, auf die zuerst der Johns-Hopkins-Forscher Bert Vogelstein hingewiesen hatte, der auch am aktuellen Projekt beteiligt ist.
Suche nach Mutationen
Wie schnell sich die Genomforschung entwickelt hat, zeigt sich daran, dass die Forscher innerhalb von zehn Monaten einen ersten Entwurf von gleich 22 unterschiedlichen Gewebeproben vorlegen können. Sie konzentrierten sich auf die 13 000 am besten bekannten von den etwa 20 000 Genen, die das menschliche Genom umfasst.
Auch Krebszellen enthalten den normalen Gensatz des Menschen. Die Chromosomen liegen – wie bereits lange bekannt – häufig in mehrfacher oder auch nur fragmentierter Form vor. Diese Aneuploidie interessierte die Wissenschaftler weniger. Sie wollten vielmehr wissen, ob es bestimmte Mutationen gibt, die einen Test zur Früherkennung ermöglichen könnten, woran beim Darmkrebs derzeit intensiv gearbeitet wird. Mutationen könnten auch das Ansprechen der Therapie beeinflussen – wie beispielsweise beim Brustkrebs – oder die Prognose beeinflussen –, was ebenfalls Gegenstand intensiver Forschung ist. Schließlich könnten sie auch die eigentliche Ursache des Tumors sein. Dies wird eine der zentralen Fragen sein.
Dass so viele Unterschiede gefunden wurden, dürfte die Suche nach den pathogenetisch verantwortlichen Genen nicht gerade erleichtern. Rüdiger Meyer
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