ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2006Laboratoriumsmedizin: Reformkonzept in der Diskussion

POLITIK

Laboratoriumsmedizin: Reformkonzept in der Diskussion

Dtsch Arztebl 2006; 103(38): A-2435 / B-2113 / C-2037

Rieser, Sabine

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Laborreform: Die Anbieter arbeiten längst mit standardisierten Verfahren. Nun will auch die KBV mehr Einheitlichkeit im Laborgeschäft. Foto: Barbara Krobath
Laborreform: Die Anbieter arbeiten längst mit standardisierten Verfahren. Nun will auch die KBV mehr Einheitlichkeit im Laborgeschäft. Foto: Barbara Krobath
Die KBV will Laborleistungen aussortieren, die verbliebenen anders kalkulieren und die Abrechnung verbessern. Die Laborärzte reagieren mit einem „Ja, aber ...“.

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) begrüßt zahlreiche strukturelle Maßnahmen, die das neue Laborkonzept der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vorsieht (DÄ, Heft 33/2006). Kritisch wird allerdings bewertet, „dass schon Summen vorgegeben werden, die man einsparen soll“. Das hat der Erste Vorsitzende des BDL, Dr. rer. nat. Andreas Bobrowski, während der Herbsttagung des Verbands Mitte September in Berlin klargestellt.
Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KBV hatte Ende Juli einem Vorschlag des Vorstands zugestimmt, Konzepte für eine EBM-Laborreform sowie den Aufbau eines Kompetenzzentrums Labor zu entwickeln und bis 2009 umzusetzen.
Begründet werden die Vorschläge, die mittlerweile öffentlich wurden, unter anderem damit, dass die Effekte der Laborreform von 1999 so gut wie aufgebraucht sind: Inzwischen bestehe ein Honorarmehrbedarf von 120 Millionen Euro. Die Zunahme resultiere sowohl aus einer Mengenausweitung (60 Prozent) als auch aus einer Fallwertsteigerung (40 Prozent).
Laborgemeinschaften: ein Viertel Überflüssiges
Die KBV will deshalb die Vergütung der Laborleistungen neu kalkulieren und solche streichen, die nicht mehr dem wissenschaftlichen Stand entsprechen. Mittelfristig sollen zudem die Laborgemeinschaften aufgelöst werden. Denn: „25 bis 30 Prozent aller in Laborgemeinschaften erbrachten Leistungen sind überflüssig.“ Stattdessen sollen Präsenzlabors gestärkt werden.
Der KBV ist es weiterhin ein Dorn im Auge, wie mit den „ähnlichen Ziffern“ in Kapitel 32 des EBM verfahren wird. „Eigentlich gedacht für die schnelle und unkomplizierte Aufnahme neuer wichtiger medizinischer Laboruntersuchungen, werden diese auch genutzt, um wissenschaftlich fragwürdige Untersuchungen zu berechnen“, heißt es im Konzept. Zudem werde die Zulassung solcher Leistungen von KV zu KV unterschiedlich gehandhabt.
Würden alle erwogenen Maßnahmen umgesetzt, so ließen sich nach den Berechnungen der KBV pro Jahr 150 bis 200 Millionen Euro sparen. Sie sollen für die rasche Einführung neuer Untersuchungsmethoden im Labor eingesetzt werden sowie für Aufwertungen der Leistungen des Akutlabors.
Zum umfassenden Reformkonzept gehört weiterhin der Aufbau eines KBV- beziehungsweise KV-Kompetenzzentrums Labor. Dieses sei unabdingbar für die Kostenkontrolle, heißt es im Konzept: „Bei der augenblicklichen Strukturierung der Großlabore mit räumlicher Diversifizierung ist ohne ein Kompetenzzentrum eine wirtschaftliche Überprüfung nicht möglich.“
Bobrowski bezeichnete während der Tagung Vorschläge wie eine Neuregelung der Selbstzuweisung im Bundesmantelvertrag als positiv, ebenso das Ende der Parallelabrechnung von Laborleistungen neben anderen Leistungen. Auch bundeseinheitliche Qualitätsnormen und eine bessere Wirtschaftlichkeitsprüfung finden im Grundsatz die Zustimmung des Verbands.
Menge von 1998 gar nicht mehr erreicht
Gleichwohl empfand Bobrowski manche Feststellung der KBV als zu einseitig. So seien die Laborkosten von 1998 auf 1999 erheblich gesunken: „Wir haben in der Menge noch längst nicht das Niveau von 1998 erreicht.“ Auch falle nach seiner Darstellung nur noch ein Viertel der erbrachten Leistungen in den Verantwortungsbereich der Laborärzte. Der Rest gehe auf das Konto von Laborgemeinschaften und anderen Anbietern.
Mit gemischten Gefühlen werden offenbar auch die Vorschläge der KBV zu den Laborgemeinschaften aufgenommen. Eine Direktabrechnung mit der KV habe „viel Charme“, urteilte der BDL-Vorsitzende. Eher negativ werden Ansätze bewertet, Rabatte an die KVen weiterzugeben und ein bundeseinheitliches Formular zur Anforderung von Leistungen des Allgemeinlabors einzusetzen. „Wer bezahlt das?“, fragte Bobrowski. Ablehnend äußerte er sich zum geplanten Verbot von Leistungsprofilen und zu einer Kontrolle der Veranlasser.
Sabine Rieser
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