ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2006Schwerverletzte: Nicht überall gut versorgt

MEDIZINREPORT

Schwerverletzte: Nicht überall gut versorgt

Dtsch Arztebl 2006; 103(38): A-2448 / B-2122 / C-2046

Bühring, Petra

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LNSLNS Schwerverletzte werden in Deutschland nicht überall gleich schnell und gleich gut versorgt. Der Grund liegt nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU, Stuttgart) nicht allein an den regionalen Unterschieden zwischen Stadt und Land. Obwohl die Polytraumaversorgung in Deutschland im internationalen Vergleich sehr hoch sei, gebe es Qualitätsdefizite. Eine Umfrage der DGU belegte, dass 14 Prozent der Kliniken im Schockraum nicht über Röntgengeräte verfügen, bei 23 Prozent fehlen dort Ultraschallgeräte. Mit dem Weißbuch Schwerverletzten-Versorgung, das die DGU in Berlin vorstellte, soll die Versorgungsqualität auf ein einheitliches Niveau gebracht werden.
„Ziel ist es, den Verletzten innerhalb von 30 Minuten in den Schockraum einer qualifizierten Klinik zu transportieren“, sagte Prof. Dr. med. Bertil Bouillon (Witten-Herdecke und Köln). Die unterschiedlichen Transportzeiten seien auch der Grund für die höhere Sterberate bei Verkehrsunfällen in Mecklenburg-Vorpommern (Meck.-Pom., 2,7 Prozent) im Vergleich zu Berlin (0,5 Prozent). „Wir haben in Göttingen schon Schwerverletzte aus Meck.-Pom. angenommen, die dort nicht versorgt werden konnten“, kritisiert Prof. Dr. med. Klaus Michael Sürmer, Abteilung Unfallchirurgie der Universität Göttingen.
Viele Kliniken seien für die Versorgung Schwerverletzter nicht eingerichtet. Eine Studie im Raum Dresden hat gezeigt, dass die Sterberate bei gleichem Verletzungsgrad in Kliniken der Grund- und Regelversorgung 41 Prozent beträgt, an Schwerpunktkliniken nur 16 Prozent. Die DGU hat deshalb 2004 die „Initiative Traumanetzwerk“ gegründet. Ziel ist es, lokale Traumanetzwerkstrukturen zwischen überregionalen und regionalen Traumazentren aufzubauen, damit jeder Schwerverletzte sofort nach einem Unfall versorgt werden kann. PB

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