ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2006The Elgar Companion to Health Economics

MEDIEN

The Elgar Companion to Health Economics

Dtsch Arztebl 2006; 103(38): A-2463 / B-2135 / C-2059

Jones, Andrew M.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Gesundheitsökonomie: Ein neues Standardwerk
Diese Besprechung gilt einem neuen Standardwerk. Fraglos gibt es viele exzellente englischsprachige Bücher über Gesundheitsökonomie. Das bisher unbestritten wichtigste Nachschlagewerk, das im Jahr 2000 in zwei Bänden erschienene „Handbook of Health Economics“, hatte aber den Nachteil, dass es für den Nichtökonomen kaum zugänglich war. Zwar ist auch der „Elgar Companion“ nicht gerade als ein einführendes Lehrbuch für den Anfänger zu qualifizieren, doch ist seine Eignung für Gesundheitswissenschaftler anderer Disziplinen ohne jeden Zweifel sehr viel größer. Dazu trägt nicht zuletzt der auf das Notwendige beschränkte Umgang mit mathematischen Modellen bei. Dennoch ist das Buch – dafür bürgen bereits seine Autoren, deren Verzeichnis sich streckenweise wie ein Who’s who der Gesundheitsökonomie liest – hinsichtlich seiner theoretischen Fundierung über jeden Zweifel erhaben.
Die thematische Breite der Beiträge ist beachtlich. Sie reicht von Public-Health-Problemen über Fragen der Finanzierung und der ökonomischen Bewertung, von Kran­ken­ver­siche­rung über Aspekte von Ungleichheit und „Fairness“, die Organisation von Märkten für Gesundheitsleistungen und der Messung der Leistungsfähigkeit von Gesundheitssystemen bis hin zu aktuellen Fragen der Evaluation medizinischer Maßnahmen. Dabei bewegen sich die einzelnen Beiträge durchgängig auf dem aktuellen Stand der Forschung. Zahlreiche Beiträge widmen sich Lösungsstrategien für typische methodische Herausforderungen, welche bei der praktischen Durchführung ökonomischer Studien auftreten. Gerade hier wurden zahlreiche Fortschritte erreicht, die längst noch nicht Eingang gefunden haben in die routinemäßige Anwendung durch viele Analysten.
Damit wird das Werk nicht nur zu einer wichtigen Referenz, sondern zugleich zu einer eindrucksvollen Demonstration der wissenschaftlichen Dynamik der Gesundheitsökonomie. Zu den speziellen Vorzügen des Buches zählt, über der stets gegebenen Theoriebasierung die Empirie nicht zu vernachlässigen. Denn „Gesundheitsökonomie“ lässt sich gerade nicht erschöpfend definieren als die Übertragung „der“ ökonomischen Theorie auf das Gesundheitswesen.
So stellt die verbreitete Bewertung gesundheitsbezogener Outcomes anhand von Quality Adjusted Life Years (QALYs) eine faktische Abkehr von der ökonomischen Wohlfahrtstheorie dar, ohne deshalb normativ oder methodisch wirklich überzeugen zu können. Es ist erfreulich, dass auch den damit verknüpften Problemen Aufmerksamkeit gewidmet wird. Das Buch macht so deutlich, warum viele Ökonomen für eine Rückbesinnung auf in anderen Feldern der Evaluation – beispielsweise in der Umweltökonomik – bewährte Konzepte plädieren.
Jedem an gesundheitsökonomischen Evaluationen ernsthaft Interessierten ist dieses Buch uneingeschränkt zu empfehlen. Sein Studium erlaubt dem Leser eine realistische Einschätzung des Potenzials der Gesundheitsökonomie. Dieses zu negieren oder zu unterschätzen, ist ein bis in die Gegenwart hinein weitverbreiteter Fehler in ärztlichen Kreisen. Sicher kann (und sollte) sich nicht jeder praktizierende Arzt zum nebenberuflichen Wirtschaftswissenschaftler weiterbilden. Zumindest aber auf der Ebene professioneller Organisationen – Ärztekammern, Kassenärztliche Vereinigungen und Berufsverbände – und im Management von Institutionen – wie zum Beispiel Krankenhäusern – gibt es längst keine dauerhaften Erfolg versprechende Alternativen mehr zur Einbeziehung gesundheitsökonomischer Erkenntnisse in die eigene Arbeit.
Wenn es überhaupt etwas ernsthaft Kritisches zum „Elgar Companion“ anzumerken gibt, dann ist es der, zumindest für viele Studierende, prohibitive Preis. Es wäre schade, wenn er einer breiten Rezeption dieses neuen Buches entgegenstünde.
Michael Schlander

Andrew M. Jones (Hrsg.): The Elgar Companion to Health Economics. Verlag Edward Elgar, Cheltenham/Northampton, 2006, 584 Seiten, 191,50 €
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema