ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2006Personalmanagement in Krankenhäusern: Anspruch und Wirklichkeit

WIRTSCHAFT

Personalmanagement in Krankenhäusern: Anspruch und Wirklichkeit

Dtsch Arztebl 2006; 103(38): A-2488 / B-2158 / C-2082

Niermann, Inga

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LNSLNS Eine Studie offenbart die Schwächen der Personalentwicklung in der personalintensiven Branche Krankenhaus.

Die Streiks der Klinikärzte haben Zeichen gesetzt: Über eine bessere Vergütung hinaus müssen die Krankenhäuser den Ärzten künftig bessere Karrierechancen eröffnen, gute Weiter- und Fortbildungskonzepte bieten sowie akzeptable Arbeitszeiten ermöglichen, um qualifizierte Kräfte rekrutieren und langfristig halten zu können.
Dies erfordert eine aktive und an festgelegten Kriterien orientierte Personalpolitik. Dass viele Kliniken damit erst am Anfang stehen, zeigt eine Untersuchung des Centrums für Krankenhaus-Management (CKM) an der Universität Münster. Für die Studie „Professionelles Personalmanagement in deutschen Krankenhäusern“, die mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Personalführung entstand, wurden 95 Personalmanager von mittelgroßen bis großen Kliniken in unterschiedlicher Trägerschaft befragt. Demnach wird das Personalwesen vielerorts immer noch als verwaltende Aufgabe wahrgenommen.
Ein professionelles Personalmanagement haben bislang nur wenige Kliniken etabliert. Knapp ein Drittel der Befragten räumte sogar ein, gar keine Personalstrategie zu verfolgen. Immerhin sieht die Hälfte der Interviewten in dem Thema Personalentwicklung und Qualifizierung ein wichtiges Zukunftsthema.
Großen Nachholbedarf gibt es besonders in Kliniken öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. „Um auf Dauer bestehen zu können, müssen Krankenhäuser ihre Mitarbeiter richtig einsetzen, hierarchische Strukturen abbauen und Entscheidungsprozesse transparent machen“, kommentierte der Geschäftsführer der Kliniken der Stadt Köln gGmbH, Wilhelm Hecker, beim Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg. Die Streiks seien Ausdruck der hohen Unzufriedenheit der Ärzte mit den öffentlichen Häusern gewesen: „Die Gehaltsforderungen waren nur ein Ventil dafür. Die Ärzte wollen mehr“, ist Hecker überzeugt. Die Beteiligung der Ärzte an klinikinternen Entscheidungsprozessen sei insbesondere im Zuge der derzeitigen Umstrukturierungen unerlässlich. Gerade bei den jungen Ärzten mangele es an Karriereperspektiven, obwohl heute viele von ihnen nicht mehr in den zunehmend riskanter werdenden niedergelassenen Bereich gingen, sondern einen großen Teil ihres Berufslebens in der Klinik verbringen wollten.
Das Instrument der Zielvereinbarung, das zur Qualitätssicherung und als Anreiz für Mitarbeiter dient, wird der CKM-Studie zufolge bisher überwiegend bei Führungskräften der Verwaltung und bei Chefärzten angewendet. Nicht einmal die Hälfte der Kliniken trifft Zielvereinbarungen mit ihren leitenden Oberärzten. Nur jedes vierte Krankenhaus nutzt die Gespräche auch für Mitarbeiter ohne Führungsaufgabe. Die Zielerreichung honorieren 60 Prozent der Kliniken mit Bonus- oder Tantiemenzahlungen. Ein Viertel der Häuser belohnt allerdings auch gar nicht.
Neben Gehalt und Karrierechancen spielen auch Faktoren wie gutes Arbeitsklima, Anerkennung von Leistungen und Weiter-/Fortbildungsmöglichkeiten für die Wahl des Arbeitsplatzes eine wichtige Rolle. „Geld motiviert nur kurzfristig, aber nicht nachhaltig“, meinte auch Barbara Schmidt-Rettig, Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Krankenhausmanagement an der Fachhochschule Osnabrück. Sie rät Personalmanagern zu einer wertorientierten Mitarbeiterführung, die am Selbstverständnis des Einzelnen im Klinikbetrieb ansetzt. Dem Mitarbeiter müsse ein Arbeitsklima geboten werden, in dem er sich selbst als Leistungsträger verstehe und als solcher anerkannt sei, sagte Schmidt-Rettig auf dem Kongress.
Laut CKM-Studie müssen Kliniken künftig auch mehr in die Managementfähigkeiten von Ärzten investieren: Während 89,7 Prozent der Pflegekräfte und 83 Prozent der Verwaltungsangestellten entsprechend fortgebildet werden, nehmen nur 66,2 Prozent der Ärzte an Seminaren zur Vermittlung von Führungs- und Managementkompetenzen teil. „Obwohl gerade die Ärzte schon sehr früh Mitarbeiterverantwortung und Leitungsaufgaben übernehmen, werden sie von den Kliniken zu wenig darauf vorbereitet“, kritisierte Kerstin Stachel, Mitautorin der Studie.
Die Entwicklung der Altersstruktur innerhalb der Ärzteschaft bereitet den befragten Personalplanern kein Kopfzerbrechen. Nach Ansicht der Münsteraner Wissenschaftler wird sich die demografische Entwicklung in Deutschland jedoch bald auf die Personalstruktur in Krankenhäusern auswirken: Es gebe bereits heute eine Reihe von Kliniken, bei denen das Durchschnittsalter im ärztlichen Dienst 55 Jahre betrage, heißt es in der Studie. Auch einen möglichen Ärztemangel fürchten die Personalmanager offenbar (noch) nicht: 76 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre Vakanzen im ärztlichen Dienst in vielen Fällen zügig besetzen können.
Inga Niermann
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