ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2006Ärzte-Schach: Ein beschwingtes Ballett

SCHLUSSPUNKT

Ärzte-Schach: Ein beschwingtes Ballett

Dtsch Arztebl 2006; 103(38): [76]

Pfleger, Helmut

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Foto:Dagobert Kohlmeyer
Foto:Dagobert Kohlmeyer
Als Prof. Dr. med. Peter Krauseneck beim letzten Ärzteschachturnier mit den einstigen Würzburger Kollegen Dr. med. Christian Cimbollek, Dr. med. Kurt Baum und mir selbst (trotz meines Erbmakels, kein Würzburger zu sein, durfte ich in dieser erlauchten Runde auch mein Süpplein schlürfen) zu Mittag aß, fragte er sich, warum er so gern zum Ärzteturnier komme. Um die Frage gleich selber zu beantworten: Die angenehme Atmosphäre, man geht freundlich miteinander um, und man trifft viele Freunde und Bekannte, die miteinander älter werden – immerhin fand das Turnier schon zum 14. Mal statt.
Wunderbare Zeitnotphase
Letztendlich fänden viele hier sicher die Zugehörigkeit und Geborgenheit, nach der wir uns alle sehnen. Dazu dürfte aber noch der Kitzel der Partien selbst kommen, vor allem in der Zeitnotphase, in der wir uns intensiv fühlen, viel mehr als in alltäglichen Verrichtungen, die oft mit Überdruss und Langeweile einhergehen. Statt magerer Alltagskost kann man ein beschwingtes Ballett tanzen, statt Pflicht Kür. Zudem spannt sich die Altersskala vom Greis bis zum jüngsten Nachwuchs. Wer erinnert sich nicht an Dr. med. Rudolf Faulhaber aus dem mittelfränkischen Büchenbach, der am Ende jeweils verkündete: „Und wenn mich der Herrgott nicht holt, bin ich nächstes Jahr wieder dabei.“ Nun, mit 92 Jahren holte ihn der Herrgott, war die letzte Schachpartie ausgespielt. Wie sagte es der persische Weise Omar Khayam:
„Welt ist ein Schachbrett, Tag und Nacht geschrägt, wo Schicksal Menschen hin und her bewegt, sie durcheinander schiebt, Schach bietet, schlägt, und nacheinander in die Schachtel legt.“
Und doch lebt Dr. Faulhaber in der Erinnerung der meisten Teilnehmer fort, ebenso wie in seiner Heimatgemeinde, die nach dem leidenschaftlichen Schach- und Fußballspieler (der eine Zeitlang beim 1. FC Nürnberg spielte, bis die „Vernunft“ alias der Arztberuf siegte) und Musiker (der abends nach den Schachpartien schon mal auf dem Klavier aufspielte) sogar eine Straße benannte. Immer wieder wird, nicht nur allegorisch und beim Schach, der eben noch matt gesetzte König zu neuem Spiel aus der Schachtel geholt und so neu geboren.
Nun aber Schach pur: ein König auf dem Weg zum Matt. Vielleicht dachte Dr. med. Herbert Schmid daran, nach der Vertreibung des angegriffenen Springers e4 sich mit Dame und Turm auf den schwarzen König zu stürzen, doch Dr. med. Christian Powierski als Schwarzer fand eine durchschlagende Riposte, die ihm entscheidenden Vorteil brachte. Wie kam’s?



Lösung
Der Springereinschlag 1. . . . Sxc3! zerschlug die scheinbar sichere weiße Bauernstruktur. Nach der erzwungenen Opferannahme mit 2. Sxc3 eroberte 2. . . . Dxd4+ den Springer mit (Bauern-)Zinsen und siegreichem Übergewicht zurück.
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