ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2006Schnelle Diagnose bei Tuberkulose

AKTUELL: Akut

Schnelle Diagnose bei Tuberkulose

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Diagnose einer aktiven Tuberkulose erfordert noch immer den kulturellen Nachweis der Erreger, dessen Ergebnis erst nach mehreren Wochen vorliegt. Ein neues Verfahren, der „proteonomische Fingerabdruck“, verspricht dagegen eine Schnelldiagnose von Proteinen im Serum. Damit wurde in einer Pilotstudie eine diagnostische Treffsicherheit von bis zu 90 Prozent erzielt (Lancet doi:10.1016/S0140-6736(06) 69342-2). Für das Verfahren wird zunächst das Blut von Tuberkulosepatienten untersucht.
Quantifizierung von Proteinen
Dabei kommen neue Geräte zur Massenspektrometrie („Surface-enhanced laser desorption ionisation time of flight“, SELDI-ToF) zum Einsatz, welche die gleichzeitige Quantifizierung einer Vielzahl von Eiweißen ermöglichen. Der „proteonomische Fingerabdruck“ wird nicht nur bei Tbc-Patienten erhoben, sondern auch bei Vergleichspersonen. Die Gruppe um Sanjeev Krishna (St. George’s Hospital, London) hat dafür sowohl gesunde Probanden gewählt als auch Patienten mit einer „ausgeprägten“ Immunreaktion durch entzündliche Darm­er­krank­ungen sowie Patienten mit Sarkoidose und schweren Atemwegserkrankungen, die leicht mit einer Tuberkulose verwechselt werden können. Mithilfe komplexer kybernetischer Modelle wurde dann ein „proteonomischer Fingerabdruck“ erstellt, der später an einer prospektiven zweiten Gruppe von Patienten validiert wurde. Um den späteren Test zu vereinfachen, versuchten die Forscher, einzelne Proteine ausfindig zu machen, deren Konzentration bei der aktiven Tuberkulose besonders deutlich verändert ist: Mit Amyloid A, Transthyretin, Neopterin und dem C-reaktiven Protein wurde eine diagnostische Genauigkeit von 78 Prozent erzielt. Sie kann durch die Einbeziehung 16 weiterer Enzyme auf 90 Prozent erhöht werden.
Entwicklung von Teststreifen
Ein Schnelltest wäre in Afrika und anderen Regionen mit hoher Verbreitung der Tuberkulose sicherlich willkommen. Seine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Statt der teuren Massenspektrometrie könnten – auf der Basis von Antikörpern gegen die einzelnen Serumproteine – Teststreifen entwickelt werden. Die Intensität des Farbumschwungs ließe sich mit einfachen Geräten quantifizieren. Die Berechnung könnte dann jeder beliebige Laptop übernehmen. Rüdiger Meyer
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