ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2006Krankenhäuser: Die Zeit im Nacken

POLITIK

Krankenhäuser: Die Zeit im Nacken

Dtsch Arztebl 2006; 103(39): A-2510 / B-2176 / C-2099

Rabbata, Samir

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Obwohl die Frist dieses Jahr abläuft, verfügt nur ein Viertel aller Krankenhausabteilungen über neue Arbeitszeitmodelle. Die FDP drängt auf schnelle finanzielle Hilfe.

Die Umsetzung neuer Arbeitszeitmodelle in Krankenhäusern kommt nur schleppend voran. Dies geht aus einer bislang nicht veröffentlichten Studie des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervor. Demnach führten bisher nur 40 Prozent der Kliniken neue Arbeitszeitmodelle ein, im Schnitt jedoch nur in drei Abteilungen und zwei Funktionsbereichen. Der Verbreitungsgrad liegt damit bei gerade einmal 23 Prozent aller bettenführenden Fachabteilungen. Doch die Zeit drängt: Nach zweimaliger Fristverschiebung sollen bis Ende 2006 in allen Kliniken Regelungen greifen, die Bereitschaftsdienste als Arbeitszeit werten. Dies sieht das neu gefasste Arbeitszeitgesetz vor.
„Für die Kliniken wird es enorm schwer, diesen Termin zu halten“, sagt DKI-Forschungsleiter Dr. Karl Blum dem Deutschen Ärzteblatt. Die Kliniken stünden vor großen rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Problemen. Nach der DKI-Befragung geben fast 40 Prozent der Häuser an, dass die Neuregelungen bei Ärzten auf mangelnde Akzeptanz stoßen. Finanzierungsprobleme sehen knapp 33 Prozent als Hinderungsgrund. Jeder vierten Klinik fällt es schwer, die zusätzlich benötigten Ärztinnen und Ärzte zu rekrutieren.
Um wenigstens die Finanzierungsprobleme zu mildern, fordert die FDP-Bundestagsfraktion in einem Antrag, den vom Gesetzgeber zugebilligten gestaffelten Zuschlag für neue Arbeitszeitmodelle vorzuziehen. Das GKV-Modernisierungsgesetz sieht für die Jahre 2003 bis 2009 einen Zusatzbetrag von jährlich rund 100 Millionen Euro vor, um den Kliniken den Umstieg zu erleichtern. Die Einführung der Modelle duldet nach Meinung der FDP jedoch keinen Aufschub. Die bis 2009 veranschlagten Gelder sollten daher schon jetzt an die Kliniken ausgezahlt werden.
Zweifelhaft ist, ob sich die Liberalen mit ihrem Vorstoß gegen die Mehrheit von Union und SPD durchsetzen können. Daran wird auch nichts ändern, dass sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Marburger Bund (MB) in ungewohnter Einigkeit hinter die Initiative stellen. In einer Stellungnahme vor dem Gesundheitsausschuss des Bundestages verweist die DKG darauf, dass der finanzielle Mehrbedarf für die Ausgestaltung neuer Arbeitszeitmodelle spätestens Anfang 2007 anfalle. Ein Zurückhalten der Mittel mache daher keinen Sinn. Der Hauptgeschäftsführer des MB, Armin Ehl, bezeichnet den Vorschlag der FDP als „sehr sinnvoll“. Zugleich verwahrt sich Ehl dagegen, Ärzte zu Hauptverantwortlichen für die langsame Umsetzung der Modelle zu machen. Die monatelangen Streiks an den Kliniken hätten gezeigt, dass Ärzte an innovativen Arbeitszeitregelungen interessiert seien. Nötig sei aber, dass die Krankenhausverwaltungen umdächten und den Ärzten interessante Angebote machten. Ehl fordert: „Die Kliniken müssen ihre Ärzte bei den Planungen mitnehmen.“
Samir Rabbata
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema