ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2006Chirurgieassistenz: Kontraproduktiv
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So etwas Kontraproduktives für unseren Arztberuf habe ich lange nicht gelesen . . . Insbesondere wir in der Chirurgie kämpfen doch dafür, mehr Zeit mit der ärztlichen Kunst zu verbringen. Ich kenne keinen Chirurgen, geschweige denn einen chirurgischen Assistenten, der klagt, er verbringe zu viel Zeit im OP mit Dingen wie z. B. „endoskopische Venenentnahmen“; sondern im Gegenteil klagen unzählige Kollegen, mich eingeschlossen, dass man zu wenig Zeit im OP verbringt, gerade um seine Fingerfertigkeit zu verbessern, schneller zu werden, Komplikationen besser handeln zu können etc. Stattdessen verbringen wir die meiste Zeit auf Station mit so Dingen wie Termine vereinbaren, MRT-Bilder suchen, alte Befunde von Hausärzten besorgen, DRGs verschlüsseln usw. Und solange es keine Sekretärin auf jeder Station gibt, scheint es mir indiskutabel, sich darüber zu freuen, dass nichtärztliche Chirurgieassistenten demnächst den Assistenzärzten zeigen, wie die Eingriffe funktionieren. Ich habe keinen Zweifel daran, dass auch Nicht-Mediziner einen bestimmten Eingriff – rein von der handwerklichen Seite gesehen – erlernen und durchführen können, warum nicht. Aber wozu? . . . Es gibt Hunderte von Dingen, die gerne jemand anderes erledigen kann; aber das Operieren sollten wir nicht aus der Hand geben.
Dr. med. Dorothee Wiewrodt,
Neurochirurgische Klinik der Universität Mainz,
Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz
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