ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2006Gottfried Benn: Kritisch betrachtet
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Der Beitrag ist sehr informativ, jedoch die Schlussfolgerung, dass von den Gedichten Benns eine fortdauernde Faszination ausgeht, ist es wert, seine Lyrik einmal kritisch zu betrachten. Gewiss hat Benn einige großartige Gedichte geschrieben (Letzter Frühling, Einsam nie), aber die Mehrzahl seiner Gedichte sind Monologe, an niemanden gerichtet. Wortartistik, die sich selbst zum Inhalt setzt. Gerade in seine frühen Gedichte (Tristess, Destillation) flicht er ganze fremdsprachliche Sätze ein. Hier wird das Spiel mit der Sprache zum Mittel des Spotts, das Sprachgefühl subjektiviert, Intellektuellenlyrik für Intellektuelle. Benn hat aus dem Ärztlichen das Menschliche ausgeklammert (Martini). Im Morgue-Zyklus (Kleine Aster, Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke) und in dem abgedruckten „Der Arzt II“ wird dies überdeutlich. Es sind abstoßende Gedichte (Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke: „komm, hebe ruhig diese Decke auf. Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte“), weil Leid und Krankheit in ihren schlimmsten Endstadien mit spöttischem Unterton beschrieben werden. Von diesen Gedichten geht keine Faszination (Bezauberung) aus . . .
Dr. med. Gerhard Stübner, Heisterweg 18,
31275 Lehrte-Steinwedel
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