ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2006Börsebius zu Bankzinsen: Fette Beute

GELDANLAGE

Börsebius zu Bankzinsen: Fette Beute

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wir haben uns ja leidlich daran gewöhnt, dass die Deutschen im europäischen Vergleich für Autos happigere Preise zu zahlen haben als anderswo, bei Medikamenten mag das wohl ähnlich sein, aber wie sieht es eigentlich bei den Zinsen aus?
Sie ahnen es vermutlich schon: Ja natürlich sind wir in Deutschland bei den Kosten der Geldbeschaffung im Spitzenfeld vertreten, wie sollte es denn auch anders sein.
Die Europäische Zentralbank EZB machte sich vor einiger Zeit die Mühe, zu überprüfen, welche Kredite wo am teuersten sind. Gemessen an der durchschnittlichen Zinsbelastung im Euroraum von 4,15 Prozent liegt Deutschland mit 4,51 Prozent auf Rang drei, nur noch geschlagen von Griechenland und Portugal. Auf der Sonnenseite sind hingegen die Bürger der Beneluxstaaten und aus Österreich, bei denen ein Kredit nur etwas mehr als dreieinhalb Prozent kostet.
Als Gründe für die teilweise doch enormen Diskrepanzen nennt die EZB Unterschiede bei der Bonität der Kreditinstitute als auch bei den Besicherungspraktiken wie auch in der Produktpalette, daneben spielten steuerliche, statistische und regulatorische Gründe eine Rolle.
Immer wenn so gedrechselt formuliert wird, liegt der wahre Grund vermutlich ganz woanders. Der Markt funktioniert einfach nicht richtig oder genauer, der Wettbewerb unter den Banken ist nicht scharf genug.
Zwar liegt Deutschland bei den Habenzinsen mit 1,82 Prozent teilweise besser als die anderen Länder, aber ein Blick auf die Differenz zwischen Kredit- und Guthabenzinsen zeigt, dass die deutschen Kreditinstitute vergleichsweise fettere Beute machen. Die Untersuchung bestätigt im Blick auf die breiten Zinsspannen im Übrigen lediglich das Unbehagen der Bankkunden, die sich schon lange nicht mehr darüber wundern, dass Zinserhöhungen der EZB sofort weitergegeben werden, während eine Reduktion nur zögerliche Anpassungen zeitigt. Gäbe es mehr Wettbewerb, ließe sich dieses unfreundliche Verhalten nicht so gut durchsetzen.

Börsebius-Telefonberatung
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 7. Oktober 2006 von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen. Wenn in Finanzdingen „der Schuh drückt“, wählen Sie bitte 02 21/98 54 80-17. Die kostenlose telefonische Beratung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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