ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2006Ambulante Vergütung: Der Schwarze Peter bleibt beim Arzt
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. . . Mit den Pauschalen wird das Morbiditätsrisiko nun endgültig bei der Ärzteschaft abgeladen. Der von den Niedergelassenen täglich erbrachte unbezahlte Mehraufwand von 30 Prozent aller Leistungen verschwindet dann in den Pauschalen. Das Missverhältnis zwischen erbrachter Leistung und unterfinanziertem Honorartopf wird damit in devoter Unterwerfung unter das BMG bereitwillig und untertänig kaschiert und aus der öffentlichen Schusslinie genommen. Unisono schon erklären Kassen und Politik bis in die Union hinein, dass kein zusätzliches Geld für die Honorare zur Verfügung stehe. Es geht also nur um Umverteilung, oder treffender, um Etikettenschwindel. Die Pauschalen werden durchweg so knapp bemessen sein, dass künftig in der Betreuung nur noch nach dem Motto „quick and dirty“ verfahren werden kann. Jede weitere Differenzierung nämlich wäre ein Schritt zurück in Richtung EBM. Wozu dann der Aufwand, nur um statt mit Ziffern mit Diagnosen abzurechnen? Nein, es geht um Vereinheitlichung und Nivellierung nach unten. Schon einmal wurde den Ärzten mit dem später gebrochenen Versprechen der Steigerung der Gesamtvergütung ein derartig blauäugiges oder „staatstragendes“ Zugeständnis abgerungen: bei der Einführung des Honorarbudgets. Leider wird aus der Geschichte nicht jeder klug . . . Aufwendige Patienten mit hohem Betreuungsaufwand werden in der schönen neuen Pauschalwelt zum wirtschaftlichen Risiko, da sie betriebswirtschaftlich den Schnitt nach unten ziehen. Die Rationierungsschere wird noch tiefer im Kopf des Arztes implantiert und im Fall eines Schadens durch unzureichende Behandlung bleibt der Schwarze Peter sowieso beim Arzt . . .
Christoph Larisch,
Düsseldorfer Landstraße 147 a,
47249 Duisburg-Buchholz
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