ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2006Berufsunfähigkeit: Schlimme Erfahrungen
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Der Ausschluss psychisch Erkrankter bei Versicherungen trifft junge Menschen in besonders perfider Weise: Angesichts der ungewissen Rentenzukunft ruft die Politik zur zusätzlichen Eigenvorsorge auf und verweist besonders auf die Berufsunfähigkeitsversicherung. Aus eigenem Umfeld haben wir da schlimme Erfahrungen: Es braucht in den Anamnesen nur das Wort „psychisch“ aufzutauchen – schon wird es nichts mit der Berufsunfähigkeitsversicherung. Wenn ein junger Mensch z. B. durch Gewalterfahrung traumatisiert ist, dann wird er von der Versicherung noch mal bestraft, wenn er psychologisch behandelt wird. Auch wenn die Behandlung mit positivem Ergebnis abgeschlossen wurde, bleibt der Makel. Frühestens nach fünf Jahren kann ein neuer Antrag gestellt werden, weil die Versicherungen Behandlungen der vorangegangenen fünf Jahre dokumentiert sehen wollen. Der Entwurf eines neuen Versicherungsvertragsgesetzes darf daher nicht unverändert Gesetz werden.
Dr. med. Ortrud Lange-Holtzmeyer,
Habichthorst 15, 30823 Garbsen
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