ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2006Evidence based Medicine-Guidelines für Allgemeinmedizin

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Evidence based Medicine-Guidelines für Allgemeinmedizin

Rebhandl, Erwin; Rabady, Susanne; Mader, Frank

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Evidenzbasierte Medizin: Transparenz fehlt
Hiermit liegt die Übersetzung von finnischen Leitlinien für Hausärzte und deren Adaptation auf die Verhältnisse in Deutschland, Österreich und in der Schweiz vor. Die Leitlinien sind primär von finnischen Arbeitsgruppen mit der Zielsetzung von evidenzbasierten Leitlinien, aber ohne deren aufwendige Literatursuche und Bewertung entstanden. In den Kapiteln sind an eher wenigen Stellen „Evidence-Empfehlungen“ von A bis D gegeben, die jedoch nur in etwa mit den bekannten Empfehlungsstufen übereinstimmen, die ansonsten ja aus bestimmten Evidenzstufen plus einer Relevanzeinschätzung des Problems resultieren. In diesem Zusammenhang, aber auch darüber hinausgehend, werden Literaturangaben relativ häufig gemacht. Dennoch handelt es sich hier nicht um eine nachvollziehbare Auswahl von Literatur in dem Sinn, wie wir sie aus der Leitlinienherstellung kennen.
Der Text ist übersichtlich, ganz auf das Wesentliche konzentriert, und gibt einen kurzen, sehr prägnanten Überblick zum jeweiligen Thema – mit entsprechenden Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie. Da es sich jedoch nicht um eine klassische evidenzbasierte Darstellung handelt, entfällt fast durchweg die Transparenz in Bezug auf die Studienlage, das heißt, es entfällt die Information des Lesers, was wirklich studiengesicherte oder – häufiger – wenig gesicherte Empfehlungen sind.
Man wird zudem dadurch irritiert, dass Evidenz-Angaben an Stellen erfolgen, die nun mit Sicherheit nicht gesichert sind, und sie an anderen Stellen eben nicht erfolgen, bei denen leicht eine solche Sicherung anzugeben wäre. Eines von vielen Beispielen ist die Nennung von Glimepirid als evidenzgesichert (A) und Glibenclamid ohne eine solche Erwähnung. Oder: Bei der COPD-Therapie wird erst das Anticholinergikum, dann das Betamimetikum genannt – ersteres ist bekanntlich deutlich teurer und noch weniger im Nutzen belegt. Wider alle bestehende Evidenz erhält dann das orale Theophyllin sogar ein „A“ als Empfehlung. Man fängt an, auch an den Stellen, die man nicht so gut selbst beurteilen kann, an der Evidenz-Basierung des Buches zu zweifeln.
Für mich ist es ein Buch, das für den Hausarzt gute und schnell lesbare Orientierung gibt, aber als evidenzbasiertes Buch nicht wirklich nutzbar ist. Heinz-Harald Abholz

Erwin Rebhandl, Susanne Rabady, Frank Mader (Hrsg.): Evidence based Medicine-Guidelines für Allgemeinmedizin. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 2006, 1471 Seiten, gebunden, 99,95 €
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