ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2006Mehr Wiederaufnahmen nach Krankenhausentlassung am Freitag: Nicht unerwartet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Als „konservativer“ (das heißt keinesfalls konservierender) Kollege (Neurologie) sehe ich in den Ergebnissen nichts Unerwartetes. Viele erfahrene Pflegekräfte und Ärzte versuchen dieses Problem in der Patienten- und Angehörigen-Führung zu beachten. Da die Sonn- und Feiertage und eben auch der Samstag noch keine Wochentage (oder wirkliche Servicetage der neuen Zeit) sind, kann nur bei zukünftig ausreichender Personalausstattung eine bessere Versorgungsdichte für die Patienten und eine wirkliche Arbeitszufriedenheit bei den Mitarbeitern erreicht werden. Eine fallabschließende Behandlung, wie sie in geriatrischen Kliniken traditionsgemäß noch umsetzbar ist, kennen die Krankenhäuser der Akutversorgung schon lange nicht mehr. Das verdichtete besondere Anforderungsprofil für Ärzte und Pflegepersonal nicht nur am Freitag oder Montag ist erheblich und kann oft nicht durch geeignete Umschichtungen im Dienstplan abgesichert werden; eine fraktionierte, auf verschiedenen Personen verteilte Umsetzung ist die Folge, keine optimale Planungssicherheit für den Informationsbedarf des Patienten und seiner Angehörigen. Selbst die Ausstattung des Patienten mit einer neuen Pharmakotherapie geht nicht selten zulasten der Klinikapotheke. Ein Kassenrezept, wie es früher üblich war, darf der Krankenhausarzt nicht ausstellen. Der Hausarzt kann erst nach der Entlassung mit eigener Entscheidung und Prüfung, was unbedingt richtig ist, tätig werden – aber ist er am Freitagnachmittag auch immer erreichbar, wie es Patient und Klinikarzt gerne hätten?
Es ist ein eher virtuelles Szenario an Sicherheit und Verlässlichkeit, dem wir – Klinikarzt und Hausarzt – unseren Patienten gegenüberstehen und wo die Prüfung schwerfällt: Ist die angebliche Untätigkeit und „bloße Beobachtung“ (Patient als „Bettenfüller“ früherer Zeiten) auf der bisherigen Station besser („low risk“) als die noch so gut vorbereitete, frühzeitige Entlassung, die zum „high risk“ werden kann? Auf einige Ursachen weist der Artikel hin. Leider wird nicht erwähnt, dass das Wochenende in der Beurteilung der prüfenden Krankenkasse und des MDK häufig, bei „Überliegern“, mit Überschreiten der oberen Grenzverweildauer (oGVD), als Nicht-Leistung klassifiziert wird. Nicht nur der Wunsch der Patienten, auch der indirekte, letztlich ökonomische Druck unseres lernenden DRG-Systems sorgt im Hintergrund für eine Verschärfung des Problems – eine entsprechend ausgestattete Nachsorge-Ambulanz wäre vielleicht eine Übergangslösung am Krankenhaus.

Prof. Dr. med. Rudolf W.C. Janzen
Landwehrweg 12c, 61350 Bad Homburg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige