ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2006Insulinpflichtiger Typ-2-Diabetes – Patientenzentrierte Schulung verbessert die Stoffwechsellage: Schlusswort
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LNSLNS Schwere Hypoglykämien wurden in unserer Studie bei keinem Probanden berichtet. Die UKPDS-Analyse publiziert eine Hypoglykämiefrequenz von 2,2 Prozent pro Jahr bei HbA1c-Werten von < 7,0 Prozent. Diese Ergebnisse sind nicht verwunderlich, weil die UKPD-Studie, geplant anfangs der 1970er-Jahre, in keiner Weise den Anforderungen eines heutigen „Schulungs-Settings“ nachkommt. Systematische und strukturierte Schulungen wurden seinerzeit nicht durchgeführt, waren auch kein Studienziel, sodass unserer Meinung nach der Vergleich hier nicht zulässig ist.
Neuere Untersuchungen stellen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes lediglich eine deutliche Zunahme der biochemischen (das heißt klinisch nicht nachgewiesen) Hypoglykämien bei HbA1c-Werten unter sechs Prozent und Nüchternblutzuckerwerten von < 5 mmol/L (90 mg/dlL) her (1). Schwerste Hypoglykämien sind bei geschulten Typ-2-Diabetikern eine Rarität. Dabei ist argumentativ noch nicht berücksichtigt, dass eine Standardisierung der HbA1c-Werte (anfangs HbA1a-c) in der UKPDS nicht vorgenommen wurde.
Das so genannte „hoch selektionierte Patientenkollektiv“ wurde zu Ungunsten des Studienergebnisses ausgewählt, weil diese Patienten in der Regel eine eher ungünstige Prognose haben: Der Patient in der Schwerpunktpraxis nach Überweisung durch den Hausarzt gilt als ein „schwierigerer“ Diabetiker.
Als Teilnahmegrund an unserer Studie wurde von 91 Prozent der Patienten eine unzureichende Stoffwechseleinstellung genannt. 72,5 Prozent spritzten schon Insulin, 30 Prozent sind zuvor mit einem anerkannten Schulungsprogramm strukturiert geschult worden, ohne davon langfristig profitiert zu haben.
Trotz der eher ungünstigen Selektion in Richtung schlechter Compliance konnte der mittlere HbA1c von eingangs 8,7 Prozent auf 7,1 Prozent ein halbes Jahr nach Ende der Schulung gesenkt werden. 65 Prozent der Teilnehmer hatten einen Hauptschulabschluss. Die Reduzierung der HbA1c-Werte konnte unabhängig von vorausgegangenen Schulungen oder vom Bildungsgrad erreicht werden.
Das patientenzentrierte Gruppenschulungsprogramm Diabetes und Verhalten wurde auf seine Effektivität geprüft. Eine Selektion von Patienten fand dabei nicht statt. Es wurden Schwerpunktpraxen gewählt, um zu gewährleisten, dass durch die dort tätigen, schulungserfahrenen Diabetesberaterinnen der verhaltensmedizinische patientenzentrierte Ansatz nach vorausgehendem Training gelebt wird.
Kontrollierte Studien, in denen in einem hausärztlichen Setting der Nutzen einer individualisierten Intervention untersucht viele Diabetespatienten realistisch und erfolgreich therapiert werden, sind den Autoren nicht bekannt und werden in der Diabetologie derzeit nicht diskutiert.

Interessenkonflikt
Die hier vorgestellte Studie wurde von Roche Diagnostics GmbH gefördert. Roche Diagnostics stellte der Medizinischen Hochschule Hannover eine Projektstelle Bat IIa (besetzt mit Dipl.-Psych. Alexander Tewes) und Sachmittel zur Verfügung. Roche Diagnostics erstattete die dienstlich genehmigten Reisekosten und Honorare für geleistete Fortbildungsveranstaltungen im Rahmen der Studie. PD Tegtbur hat keinen Interessenkonflikt erklärt.

PD Dr. med. Matthias Frank
Innere Abteilung, Saarland Klinik
Kreuznacher Diakonie, Theodor-Fliedner-Straße 12
66538 Neunkirchen

Dr. rer. biol. hum. Ulrich Brinkmeier
Medizinische Hochschule Hannover, Abteilung Medizinische Psychologie
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover

Dr. med.
Medizinische Hochschule Hannover, Abteilung Medizinische Psychologie
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
1.
Yki-Jarvinen H, Ryysy L, Nikkila K, Tulokas T, Vanamo R, Heikkila M: Comparison of bedtime insulin regimens in patients with type 2 diabetes mellitus. A randomized, controlled trial.Ann Intern Med 1999; 130: 389–96. MEDLINE
1. Yki-Jarvinen H, Ryysy L, Nikkila K, Tulokas T, Vanamo R, Heikkila M: Comparison of bedtime insulin regimens in patients with type 2 diabetes mellitus. A randomized, controlled trial.Ann Intern Med 1999; 130: 389–96. MEDLINE

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