ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2006Pharmaindustrie: Die nächste Fusion

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Pharmaindustrie: Die nächste Fusion

afp; Flintrop, Jens

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Ein reicher Mann: Patrick Schwarz-SchütteFoto: picture-alliance/epa
Ein reicher Mann: Patrick Schwarz-Schütte
Foto: picture-alliance/epa
Die belgische UCB übernimmt das Monheimer Traditionsunternehmen Schwarz Pharma.

Die Konzentrationswelle unter den mittelständischen Unternehmen in der Pharmabranche setzt sich fort: Am 25. September kündigte die belgische UCB an, Schwarz Pharma für 4,4 Milliarden Euro zu übernehmen. Der Aufsichtsrat und der Vorstand von Schwarz Pharma werden das Angebot zur Annahme empfehlen, teilte das Monheimer Unternehmen mit. Familie Schwarz, die einen Anteil von etwa 60 Prozent an der Firma halte, habe sich dazu verpflichtet, das Angebot anzunehmen.
UCB-Chef Roch Doliveux zufolge passen beide Unternehmen „perfekt zusammen“. Er erwartet in den kommenden drei Jahren Einsparungen von 300 Millionen Euro. Für UCB sei die Übernahme „ein Sprung nach vorn bei der Transformation in ein global führendes biopharmazeutisches Unternehmen“. Schwarz-Pharma-Vorstandvorsitzender Patrick Schwarz-Schütte erklärte, mit der Übernahme würden sich „die kommerziellen Aussichten für unsere Pipeline im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium deutlich verbessern“. Die Transaktion habe ein erhebliches Wachstumspotenzial.
Die Belgier mit ihren weltweit mehr als 8 300 Mitarbeitern haben sich auf Allergien, Störungen des Nervensystems wie Epilepsie, Atemwegserkrankungen und Krebstherapie spezialisiert. Sie setzten damit im vergangenen Jahr 2,3 Milliarden Euro um. Die Deutschen setzen auf Medikamente zur Behandlung von Störungen des zentralen Nervensystems wie Parkinson, Asthma sowie Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Erkrankungen. In der Pipeline hat der MDax-Konzern zudem Arzneien gegen Parkinson, das Restless-Legs-Syndrom, Epilepsie und neuropathische Schmerzen nach Amputationen. Schwarz-Schütte erklärte, durch die Übernahme besserten sich die Aussichten für die neuen Medikamente deutlich. Schwarz Pharma erwirtschaftete 2005 mit 4 400 Mitarbeitern 991 Millionen Euro Umsatz.
Die Konzernchefs räumten ein, dass Entlassungen nicht auszuschließen seien. Der Stellenabbau werde aber „mit großer sozialer Verantwortung“ vorgenommen. Bei einem Angebot von 50 Euro in bar plus 0,8735 UCB-Aktien je Schwarz-Pharma-Papier – dies entspricht einem Wert von 91,10 Euro – können sich zumindest die Aktionäre über einen Aufschlag von gut 20 Prozent auf den Börsenkurs vom 22. September freuen. Innerhalb eines Jahres hat die Schwarz-Pharma-Aktie mehr als die Hälfte an Wert zugelegt.
Der Hauptsitz des fusionierten Unternehmens mit Namen UCB, das bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen weltweit führend sein wird, soll in Brüssel bleiben. Am Schwarz-Pharma-Stammsitz in Monheim wird das allgemeinmedizinische Geschäft unter altem Namen geführt. Zudem soll dort eines der Forschungs- und Entwicklungszentren entstehen. afp/JF
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