ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2006Europäischer Depressionstag: Aufklären, erkennen und richtig behandeln

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Europäischer Depressionstag: Aufklären, erkennen und richtig behandeln

Bühring, Petra

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Schätzungen zufolge leiden fünf Prozent der Bevölkerung in industrialisierten Ländern an einer behandlungsbedürftigen Depression. Der Europäische Depressionstag am 5. Oktober, der in diesem Jahr zum dritten Mal von der European Depression Association (EDA) durchgeführt wurde, hatte deshalb zum Ziel, mit bundesweiten Veranstaltungen die Erkrankung weiter zu entstigmatisieren und über Früherkennung und Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären.
Frauen hätten ein doppelt so hohes Risiko an einer Depression zu erkranken, sie entwickelten mehr Rezidive und auch häufiger Komorbiditäten, berichtete Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Schwartz, Medizinische Hochschule Hannover, bei einem Presseseminar der EDA. Doppelt so hoch sei das Risiko auch bei Arbeitslosigkeit. Alleinerziehende, in Armut lebende Frauen hätten das höchste Risiko an einer Depression zu erkranken – verheiratete Männer das niedrigste.
Depressionen gelten international auch als Hauptursache für mit Behinderung gelebte Lebensjahre. Depressive sterben zudem früher: durch Suizide, vermehrte Unfälle und somatische Komorbiditäten. Letztere verursachten zusammen höhere Kosten für die Gesellschaft als Suizide, betonte Schwartz. „Vor allem versterben Depressive an kardiovaskulären Erkrankungen“, erklärte Prof. Dr. Isabella Heuser, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité.
Bei der Versorgung gebe es nach Schwartz noch einige Schwachstellen: So erhielten Adoleszente und ältere Patienten (ab 60 Jahren) deutlich weniger depressionsspezifische Therapien als Erwerbstätige. Alte Patienten erhielten praktisch keine Psychotherapie mehr, sondern nur medikamentöse Behandlung. Die Behandlung richte sich zudem eher nach dem Angebot als nach Evidenzkriterien: Patienten auf dem Land erhielten eher Medikamente, in der Stadt eher Psychotherapie.
Im europäischen Vergleich seien die Angebote in Deutschland zur Versorgung an Depressionen Erkrankter allerdings gut, berichtete Prof. Dr. Ulrich Hegerl, München, Leiter der „European Alliance against Depression“ (Internet: www. eaad.net), ein Bündnis, das analog zum Deutschen Bündnis gegen Depression e.V. die Bevölkerung aufklären, Hausärzte fortbilden und vernetzen will (www.buendnis-de pression.de). PB
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