ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2006Ärztetag: Phantomschmerz und Artenschutz

BRIEFE

Ärztetag: Phantomschmerz und Artenschutz

PP 5, Ausgabe Oktober 2006, Seite 458

Fiedler, Dirk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS In Hessen haben wir seit Konstituierung der Psychotherapeutenkammer gegen massiven Einfluss von außen bei der Namensgebung zu kämpfen. Aktuell wird öffentlich, dass wir in Hessen wie in Bayern und Berlin
einen unsäglichen Namen führen müssen im Unterschied zu den acht Psychotherapeutenkammern West-Deutschlands, die sich „Psychotherapeutenkammer … (des Bundeslandes)“ nennen: Auf dem 109. Deutschen Ärztetag wurde 1. eine „Übermacht“ von Psychologischen Psychotherapeuten beklagt, „Psychotherapie“ werde „immer mehr mit Psychologen verknüpft“, wird festgestellt. So weit, so konkurrierend könnte man es auf sich beruhen lassen. Doch es wird noch weiter gehend projiziert, dass mit dem Namen Psychotherapeutenkammer ein „Alleinvertretungsanspruch zum Ausdruck gebracht“ werde. Diese Projektion erinnert mich an die Jahre vor dem Psychotherapeutengesetz, in denen Delegationsverfahren und Kostenerstattung herrschte, sodass mir die Klage wie ein Phantomschmerz für den amputierten „Heilhilfsberuf“ erscheint. Die Auseinandersetzung kommt mir daher vor wie der Kampf der psychotherapeutisch tätigen Ärzte gegen ihre häufig beklagte Marginalisierung innerhalb der eigenen Berufsgruppe – der Ärzteschaft. Eine interne Klärung wäre sicher hilfreicher für die psychotherapeutisch tätigen Ärzte, als sich bei ihren kollegialen Nachbarn in die Namensgebung einzumischen.
2. Es sei wichtig, dass „die Gesamtverantwortung für psychische Erkrankungen bei den Ärzten bleibt“. Was könnte besser den eigenen Dünkel bloßstellen, Hand in Hand mit der Aufforderung, „Patienten nicht einfach zum Psychologen zu schicken“!
3. Damit nicht genug, entblößen sie sich weiter: „… dass die sogenannte 40-Prozent-Quote auch über das Jahr 2008 hinaus Bestand haben soll“. Zusätzlich sollen die zurzeit nicht besetzbaren „Quotensitze“ für Psychiater freigegeben werden anstatt für Psychologische Psychotherapeuten. Das ist Lobbyismus und Artenschutz ohne Qualitätsprüfung in bekannter Manier.
Wie wäre es mit einer Konkurrenz, in der jede/r mit den eigenen Qualitäten wirbt, anstatt mit tradiertem Machtgehabe die Konkurrenten zu dominieren zu suchen?
Dirk Fiedler, Psychologischer Psychotherapeut, Stadthof 1, 63065 Offenbach
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige