ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2006Arztlaufbahn: Zu Beginn ist die Lebensqualität schlecht

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Arztlaufbahn: Zu Beginn ist die Lebensqualität schlecht

Meyer, Rüdiger

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Foto: Vario Images
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Nicht nur die geringeren Verdienstmöglichkeiten treiben junge Ärzte ins Ausland. Auch eine im Gegensatz zu angelsächsischen Ländern schlechtere Lebensqualität zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn könnte eine wichtige Motivation sein, vermuten Psychologen der Universität Gießen im Lancet (2006; 368: 985–86).
Der Weg zum begehrten Chefarztposten führt in Deutschland über sechs Stufen. Vom Assistenzarzt in Weiterbildung, zum Assistenz- oder Facharzt geht es über den Funktionsarzt zum Oberarzt, bis man als leitender Oberarzt hoffen darf, den begehrten Chefarztposten zu erlangen. Wie steinig dieser Weg ist, zeigt die Befragung von 329 Ärzten, die Harald Jurkat von der Universität Gießen durchgeführt hat. Er verwendete dabei den Fragebogen SF-36, ein übliches Instrument zur Bestimmung der Lebensqualität, der auch in klinischen Studien an Patienten eingesetzt wird.
Die SF-36-Werte sind zu Beginn der klinischen Tätigkeit sehr niedrig. Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung im Unterpunkt „Vitalität“. Assistenz- und Funktionsarzt liegen 17 Punkte unter dem Durchschnitt der gleichaltrigen Bevölkerung. Erst als Oberarzt ist man nur noch einen Punkt unter der Norm. Chefärzte haben in Deutschland eine um acht Punkte über dem Altersdurchschnitt liegende „Vitalität“.
US-amerikanische Ärzte haben es Jurkat zufolge besser. Sie liegen bereits als „attending physician“ (etwa Assistenz- bis Oberarzt) um zwei Punkte über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Die Studie enthält aber keine Angaben über den zu vermutenden Anstieg der Lebensqualität auf den verschiedenen Stufen der US-Karriereleiter. Das Fazit, dass die strenge Hierarchie die „Sklaven in Weiß“ (Die Zeit) ins Ausland treibt, lässt sich deshalb nicht schlüssig belegen. rme
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