ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2006Medikamentenfreisetzende Stents: Mehr Komplikationen

AKTUELL: Akut

Medikamentenfreisetzende Stents: Mehr Komplikationen

Dtsch Arztebl 2006; 103(41): A-2666 / B-2318 / C-2230

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Der Einsatz medikamentenfreisetzender Gefäßstützen (Drug-Eluting Stents, DES) hat nach weitreichenden statistischen Erhebungen in zwei Meta-Analysen (hot line session ESC 3. 9. 2006 Barcelona) und einer randomisierten Untersuchung (ACC 55th annual scientific session, 14. 3. 2006 Atlanta) zu erhöhten Komplikationen im Vergleich zu unbeschichteten Stents geführt. Hierzu gehören eine deutlich erhöhte Rate an Herzinfarkten und Todesfällen. Diese sind mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen thrombotischen Verschluss zurückzuführen, der auch noch Jahre nach Implantation auftreten kann.
Die neuen Erkenntnisse zeigen, wie die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), Berlin, mitteilt, dass die Beachtung der richtigen Indikation für den Behandlungserfolg entscheidend ist. Diese sind kürzlich in der „Nationalen Versorgungsleitlinie KHK“ formuliert worden (www.khk.versor gungsleitlinien.de). Danach ist eine Stent-Behandlung nur indiziert bei Patienten mit koronaren Ein-Gefäßerkrankungen und ausgewählten KHK-Patienten mit zwei betroffenen Koronarästen, Letzteres jedoch nur, wenn die große Vorderwandarterie (proximale RIVA) nicht betroffen ist.
Frühzeitige Operation bei Kontraindikation gegen Thrombozytenhemmer
Die DGTHG empfiehlt aufgrund der neuen Datenlage in einem Schreiben an ihre Mitglieder, sich regional für Fragen besorgter Patienten, betreuender Hausärzte und behandelnder Kardiologen zur Verfügung zu stellen. Die
DGTHG rät außerdem zu einer frühzeitigen
Bypass-Operation bei allen Patienten, die im Anschluss an das Legen eines Stents die Gabe von Thrombozyten-Aggregationshemmern (Clopidogrel, Azetylsalizylsäure) nicht vertragen oder die wegen eines notwendigen operativen Eingriffes diese Medikamente absetzen müssen. Nach der Implantation eines DES sollten die Patienten unbedingt einen entsprechenden Notfallausweis bei sich tragen, um beispielsweise bei plötzlich auftretenden Spätthrombosen oder Unfällen richtig behandelt werden zu können. Die DGTHG plädiert nachdrücklich bei Patienten mit einem DES zu einer besonders gründlichen Dokumentation bei operativen Eingriffen, gleichgültig, ob bei akuten oder Wahleingriffen. Bei herzchirurgischen Eingriffen sollten diese Daten in die bundesweite Analyse der Qualitätssicherung der operativen Behandlung der KHK als möglichen Risikofaktor aufgenommen werden. zyl
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