ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2006Hausärzte: Allgemeinmedizin in Not
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In Deutschland herrscht schon jetzt ein Mangel an Hausärzten, der sich in den nächsten fünf Jahren noch massiv verstärken wird. Im krassen Gegensatz dazu stehen die erbärmlichen Bedingungen, unter denen unser Land seine künftigen Hausärzte ausbildet. Es ist schwer für uns Allgemeinmedizin-Assistenten, eine Stelle zu finden. Da die Weiter­bildungs­ordnung uns zwingt, nach einem Jahr in die nächste Abteilung zu rotieren, sind wir für die meisten Chefs unattraktiv. Die einzige Möglichkeit, dennoch eine Stelle zu finden, war bisher das Initiativprogramm Allgemeinmedizin (IPAM) der KV und der Krankenkassen. Über dieses Programm erhielten wir 2 000 Euro Bruttolohn im Monat, wenn wir uns verpflichteten, Allgemeinmediziner zu werden. Die meisten Arbeitgeber konnten oder wollten nicht mehr zahlen, sodass wir für 1 240 Euro netto einer Ganztagsstelle nachgehen mussten. Doch auch dieser letzten Möglichkeit hat uns die KV Berlin seit März dieses Jahres beraubt. Seitdem müssen wir uns vor Erhalt der Gelder verpflichten, zeitlebens nie im Ausland zu arbeiten (egal für welchen Zeitraum) und niemals in einer anderen Fachrichtung außer Allgemeinmedizin tätig zu sein. Andernfalls müssen wir alle Förderbeträge zurückzahlen. Auch wenn diese Regelung aus Sicht der Geldgeber zunächst verständlich erscheint, ist sie für uns unzumutbar. Wer von uns kann voraussehen, welche Lebensumstände ihn eines Tages ins Ausland oder in eine andere Tätigkeit hineinzwingen? Wir empfinden es als blanken Hohn, wenn wir angesichts der finanziellen Entbehrungen während unserer Ausbildung nun auch noch durch eine solche Hypothek belastet werden . . .
Dr. med. Marcus Schmidt, Eylauer Straße 4,
10965 Berlin
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