ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2006Robert Schumann: Schlussfolgerung nicht zulässig
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Die psychische Erkrankung Robert Schumanns ist seit seinem Tod in zahlreichen Biografien und Pathographien behandelt worden . . . Die darin enthaltenen Diagnosen reichten von einer schubförmig verlaufenden Schizophrenie, einer unsystematischen Schizophrenie, einer manisch-depressiven Psychose, einer reaktiven Depression, einer progressiven Paralyse, einer tuberkulösen Meningitis über einen alkoholbedingten vorzeitigen Abbauprozess bis zur Persönlichkeitsstörung bzw. einer Kernneurose mit finalem Selbstmord durch Hungerstreik oder einer Flucht in die Krankheit nach psychischer „Kastration“ durch Clara Schumann und Brahms . . . Nach den Ausführungen von Karl Leonhard in seinem Buch „Bedeutende Persönlichkeiten in ihren psychischen Krankheiten“ spricht vieles dafür, dass Schumann an einer besonderen Form der unsystematischen Schizophrenie (Periodische Katatonie) gelitten hat . . . Im Einzelnen zählt Leonhard mindestens drei Krankheitsschübe auf, die Schumann durchlitten hat und die jeweils zu leichteren residualen Veränderungen geführt haben, wie diese bei Patienten mit manisch-depressiven Erkrankungen zumindest in der bei Schumann gezeigten Form nicht vorkommen. Die von Richarz beschriebenen pathologischen Veränderungen waren auch Leonhard bekannt. Auch er sprach vom möglichen Vorhandensein einer progressiven Paralyse, an der Schumann dann vielleicht auch starb. Das über Jahrzehnte bei Schumann bestandene Krankheitsbild mit schubweisem Verlauf und mit für eine unsystematische Schizophrenie typischer psychopathologischer Symptomatik allein auf eine progressive Gehirnparalyse zu beziehen – wie Franzen dies tut – ist aufgrund der vielfältigen, insbesondere psychiatrischen pathographischen Literatur, nicht zulässig. Allerdings – Rätsel bleiben.
Dr. med. Hans-Otto Dumke, Zentrum für Psychiatrie (ZfP), Klosterhof 1, 88427 Bad Schussenried

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