ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2006J. F. Volrad Deneke †: Ein Generalist im wahrsten Sinne

PERSONALIEN

J. F. Volrad Deneke †: Ein Generalist im wahrsten Sinne

Dtsch Arztebl 2006; 103(41): A-2731 / B-2373 / C-2284

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Johann Friedrich Volrad Deneke. Foto: privat
Johann Friedrich Volrad Deneke. Foto: privat
In Bad Godesberg starb am 19. September der langjährige Präsident und Ehrenpräsident des Bundesverbandes der Freien Berufe, Prof. Dr. rer. pol. h. c. Johann Friedrich Volrad Deneke, im Alter von 86 Jahren. Denekes Lebensweg war ungewöhnlich, er war Wissenschaftler, Publizist, Politiker und Funktionär. Er konnte die Welt erklären, und auch wer dieser Erklärung nicht unbedingt beipflichten wollte, anerkannte im Gegenüber einen unabhängigen, umfassend gebildeten Geist, jemanden, der in seinen Interessen nicht auf ein bestimmtes Fachgebiet festgelegt war, einen Generalisten im wahrsten Sinne.
Vielleicht kann es nicht anders kommen, wenn man als Sohn eines Fürstlich Stolberg-Wernigeroder Archivdirektors aufwächst. Am 8. März 1920 wurde Deneke in Wernigerode geboren. Nach dem Abitur absolvierte er dort eine Buchhändlerlehre, die Gehilfenprüfung bestand er 1940 in Magdeburg mit Auszeichnung. Danach ging er nach Berlin, wo er das Studium der Nationalökonomie und Sozialwissenschaften aufnahm, aber nicht beendete, weil er 1943 als Soldat in den Krieg ziehen musste. Nach 1945 arbeitete Deneke für den Evangelischen Presseverband für Deutschland; später, in den Jahren 1947/48 war er Dozent an der Evangelischen Bibliotheksschule in Göttingen, wo er zur Geschichte des Buches unterrichtete. Nach einer Zwischenstation von 1949 bis 1951 als stellvertretender Chefredakteur bei den „Aachener Nachrichten“ zog es Deneke in die neue Bundeshauptstadt Bonn, wo er als freiberuflicher Korrespondent für verschiedene Zeitschriften tätig war.
Der Vorsitzende der Bundespressekonferenz vermittelte Deneke 1952 den Kontakt zur Bundes­ärzte­kammer, die einen jungen Journalisten für den Aufbau der Pressestelle der deutschen Ärzteschaft in Bonn suchte. Bis 1955 betreute Deneke die Pressestelle halbtags; dann wechselte er mit der Pressestelle nach Köln und trat dort in die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes ein. Bereits 1958 stieg Deneke dort zum Chefredakteur auf.
Weitere Stationen auf seinem Lebensweg in Stichworten:
- Abgeordneter der FDP im Deutschen Bundestag (1961–1965);
- Mitbegründer und Lehrbeauftragter des Instituts der Freien Berufe an der Universität Erlangen-Nürnberg (1964–1972);
- freiberuflicher Fachjournalist in Bonn (1965–1969);
- Bundesgeschäftsführer der FDP (1969–1971);
- Hauptgeschäftsführer des Hartmannbundes (1971–1974);
- Hauptgeschäftsführer der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages (1974–1984);
- Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (1984–1994).
Bereits 1975 wurde J. F. Volrad Deneke durch Beschluss der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen aufgrund eines interdisziplinären Antrags aus sieben Hochschulen der Titel Professor für seine wissenschaftlichen Beiträge zur Soziologie der freien Berufe, zur Gesundheitspolitik und zur Geschichte der medizinischen Publizistik zuerkannt. Für sein wissenschaftliches Lebenswerk mit einer Vielzahl an Publikationen verlieh ihm die Universität Lüneburg 1996 die Ehrendoktorwürde. Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), würdigte Deneke als „guten Diplomaten“. Er sei ein erfolgreicher Hauptgeschäftsführer der BÄK gewesen.
Die Liste der Deneke zuteil gewordenen Ehrungen ist zu umfangreich, als dass sie hier wiedergegeben werden könnte. Als höchstmögliche Auszeichnung erhielt er 2001 für sein jahrzehntelanges Engagement in der Berufs-, Gesundheits- und Sozialpolitik das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Thomas Gerst
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige