ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2006Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ung: Therapie-Strategien im Vergleich

PHARMA

Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ung: Therapie-Strategien im Vergleich

Dtsch Arztebl 2006; 103(41): A-2737

Vetter, Christine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Für das Beibehalten des klassischen Step-up-Konzeptes bei der Behandlung chronisch entzündlicher Darm­er­krank­ungen hat sich Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich (Universität Regensburg) ausgesprochen. Immer wieder werde diskutiert, ob nicht statt „von unten nach oben“ besser „von oben nach unten“ (top down) behandelt werden solle. Das aber komme einer deutlichen Übertherapie gleich, die unnötige Kosten verursache und bei der auch unnötige Arzneimittelrisiken für die Patienten in Kauf genommen werden müssten, gab Schölmerich zu bedenken.
Ziel der Behandlung sei es, die Beschwerden der Patienten zu lindern, eine Remission zu induzieren und zu erhalten und einem erneuten akuten Schub vorzubeugen. „Diese Ziele werden bei den meisten Patienten mit der üblichen Standardtherapie gut realisiert“, erklärte Schölmerich. Behandelt wird dabei zunächst mit Mesalazin, im Bedarfsfall zusätzlich mit Steroiden; nur wenn die Patienten steroidabhängig oder steroidrefraktär reagieren, seien Immunsuppressiva wie Azathioprin indiziert.
Schubfreie Intervalle
Infliximab kommt nach diesem Konzept erst zum Einsatz, wenn sich das Krankheitsbild anders nicht beherrschen lässt. Beim Top-down-Konzept aber würde initial Azathioprin oder sogar Infliximab eingesetzt, in der Vorstellung, dadurch eine Mukosaheilung und einen günstigeren Krankheitsverlauf erwirken zu können. „Das aber ist bislang keinesfalls belegt“, sagte der Wissenschaftler. Zudem sei eine solche Therapie bei der Mehrzahl der Patienten auch nicht erforderlich, weil sie mit der herkömmlichen Strategie gut zu betreuen seien. So werde meist schon mit der ersten Stufe eine Remission erzielt, und das mit langen schubfreien Intervallen.
Für eine Top-down-Therapie sprach sich in Berlin dagegen Prof. Dr. Stephen B. Hanauer (Chicago) aus. Er plädierte für eine bereits initial aggressive Behandlung mit Biologika wie Infliximab: „So wird am ehesten eine Krankheitsstabilisierung und eine Mukosaheilung erwirkt.“ Das belege eine Vergleichsstudie bei 130 Patienten mit aktivem Morbus Crohn, die initial mit Infliximab plus Azathioprin oder mit Budesonid oder Prednisolon behandelt wurden.
Endoskopisch gesicherte Mukosaheilung
In der Infliximab/AzathioprinGruppe konnte bei mangelndem Therapieerfolg Prednisolon gegeben werden; in der Gruppe, die initial ein Steroid erhielt, entsprechend Azathioprin und auch Infliximab. Für das Top-down-Konzept spricht nach Meinung von Hanauer die Tatsache, dass in dieser Behandlungsgruppe häufiger eine endoskopisch gesicherte Mukosaheilung gesehen wurde als bei der Step-up-Behandlung.
Nach einem Jahr aber waren nach Aussage von Schölmerich die Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsgruppen nur marginal. Ob vor dem Hintergrund solcher Daten generell eine initial aggressive Therapie mit einer höheren Nebenwirkungsrate und auch Mehrkosten gerechtfertigt sei, ist nach Ansicht des Gastroenterologen fraglich.
Christine Vetter

Symposium: „Immunregulation chronisch-entzündlicher Darm­er­krank­ungen – Heute und morgen“ in Berlin, Veranstalter: Falk Foundation
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema