ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2006Zu später Hausarztbesuch

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Zu später Hausarztbesuch

Dtsch Arztebl 2006; 103(41): A-2743 / B-2383 / C-2295

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LNSLNS Ein Arzt, der einen Patienten nicht unverzüglich besucht, obwohl alle ihm am Telefon mitgeteilten Symptome auf einen folgeschweren entzündlichen Vorgang hindeuten, handelt berufswidrig. Das hat das Bezirksgericht für Ärzte in Freiburg entschieden.
Die Ehefrau des Erkrankten hatte den beschuldigten Arzt, der zum Notfalldienst eingeteilt war, gegen 22 Uhr angerufen. Sie berichtete ihm, dass ihr Ehemann unter berstenden Kopf- und Nackenschmerzen leide und Fieber von fast 40 Grad Celcius habe. An einem Finger und am Rücken hätten sich Flecken gebildet. Ihr Mann sei bereits mit starken Schmerzen und Schüttelfrostanfällen nach Hause gekommen. Wadenwickel und die Einnahme von Ibuprofen 600 am Nachmittag hätten aber keinen Erfolg gezeigt.
Trotz dieser Information beließ es der Arzt bei dem Hinweis, es gehe eine Grippe um, die Ehefrau solle daher weiterhin Ibuprofen geben. Gegen vier Uhr morgens unterrichtete die Ehefrau den Arzt in einem weiteren Telefonat davon, dass sich der Gesundheitszustand ihres Mannes nochmals verschlechtert habe. Insbesondere die Flecken auf der Haut hätten sich verschlimmert. Dann erst entschloss sich der Arzt, den Patienten aufzusuchen, um ihn danach sofort ins Krankenhaus zu überweisen.
Die dortige Diagnose ergab eine Mitralklappenendokarditis mit Staphylokokkus aureus und globaler kardialer Dekompensation, eine septische Streuung mit Meningitis sowie einen Abszess im Tentoriumbereich, septische Streuherde an den Endgliedern der Finger, eine Lungenentzündung beidseits, eine Niereninsuffizienz und einen chronischen Husten.
Durch sein Verhalten hat der Arzt gegen § 2 Satz 1 der Berufsordnung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg verstoßen. Da er bereits seit vielen Jahren untadelig berufstätig ist, beließ es das Gericht bei einer Geldbuße in Höhe von 1 700 Euro. (Urteil vom 15. März 2006, Az.: BG 21/05) Be
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