SUPPLEMENT: PRAXiS

Abschreibungen: Wahlrecht nutzen

Bandering, Michael

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LNSLNS Die degressive Abschreibung ist in bestimmten Fällen vorteilhafter für den Arzt als die lineare.

Bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens unterliegen bis zu ihrem „Lebensende“ einem laufenden Wertverzehr, dem der Steuergesetzgeber durch Absetzungen für Abnutzungen („Abschreibungen“) entspricht, die als Aufwand in der jährlichen Ertragsrechnung geltend gemacht werden dürfen. Der laufende Wertverzehr der Anlagegüter, ausgedrückt durch Abschreibungen, mindert einen auszuweisenden (und zu versteuernden) Jahresgewinn beziehungsweise verschlechtert ein bereits defizitäres Ergebnis. Dabei orientiert sich die Jahresabschreibung an der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts und ist in Abschreibungstabellen niedergelegt.
Als „normale“ Abschreibung versteht sich die lineare Abschreibung. Nach ihr wird ein jährlich gleichbleibender Betrag als Aufwand in die Ertragsrechnung eingestellt. Ein Pkw beispielsweise darf – soweit er nach dem 31. Dezember 2000 erworben wurde – nach der neuen allgemeinen Abschreibungstabelle innerhalb von sechs (vorher fünf) Jahren abgeschrieben werden. Im Jahr der Anschaffung/Herstellung und im letzten Jahr darf die Abschreibung nur zeitanteilig für den vollen Monat erfolgen.
In der linearen Abschreibung spiegelt sich bei beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens allerdings nicht deren meist überproportionale Wertschwund besonders im Anschaffungsjahr und den unmittelbar anschließenden Jahren wider. Dieses Dilemma beseitigt weitgehend die geometrisch degressive Abschreibung, kurz degressive Abschreibung genannt. Sie beginnt mit einem Abschreibungsbetrag, der wesentlich über dem der linearen Abschreibung liegt, sinkt jedoch in der Folgezeit überproportional.
Während sich die Berechnungsbasis des Abschreibungssatzes der linearen Abschreibung jeweils aus den Anschaffungskosten des Wirtschaftsguts ermittelt, errechnet sich der degressive Abschreibungssatz aus dem jeweiligen Restbuchwert des Vorjahres. Die Obergrenze des degressiven Abschreibungssatzes beträgt für Anschaffungen aus der Zeit nach dem 31. Dezember 2000 das Zweifache des linearen Abschreibungssatzes, maximal 20 Prozent der Berechnungsbasis. Wird ein bewegliches Wirtschaftsgut des Anlagevermögens jedoch in den Jahren 2006 und 2007 angeschafft, beträgt die Obergrenze des degressiven Abschreibungssatzes das Dreifache des linearen Abschreibungssatzes, maximal 30 Prozent der Berechnungsbasis. Was das für ein Wirtschaftsgut von 10 000 Euro mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von zehn Jahren bedeutet, zeigt Tabelle 1.
Während eine Entscheidung für die lineare Abschreibung unwiderruflich ist, darf der Steuerpflichtige zu jedem beliebigen Zeitpunkt von der degressiven zur linearen Abschreibung (aber nicht wieder zurück) übergehen. Wird ein bewegliches Wirtschaftsgut des Anlagevermögens degressiv abgeschrieben, ist allerdings eine Abschreibung für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung unzulässig.
Ein Übergang von der degressiven zur linearen Abschreibung ist im Beispiel für die Jahre acht bis zehn zu empfehlen, weil bei Beibehaltung der degressiven Abschreibung die Abschreibungszeit nahezu unendlich lange dauern würde. Das ergäbe wegen des Umstiegs von degressiver auf lineare Abschreibung ab dem achten Jahr Abschreibungssätze und Restbuchwerte, wie sie in Tabelle 2 dargestellt sind.
Damit zeigen sich aber auch Vor- und Nachteile beider Abschreibungsformen:
- Die degressive Abschreibung verlegt ihr Schwergewicht in die anschaffungsnahe Zeit und mindert folglich besonders in der Anfangszeit als Aufwand den steuerpflichtigen Gewinn – zulasten der späteren
Phase: eine steuerfreie Steuerstundung, die sich namentlich für eine ertragsstarke Praxis eignet.
- Anders die lineare Abschreibung. Sie startet mit einem vergleichsweise niedrigeren Anfangsabschreibungsvolumen und eignet sich daher besonders für ertragsarme Praxen oder für Neugründungen mit erfahrungsgemäß noch defizitären Ergebnissen, sodass man sich dank linearer Abschreibung steuerentlastenden Aufwand für eine hoffentlich ertragreichere Zukunft „reservieren“ kann.
Leider fristet die degressive Abschreibung in den Ertragsrechnungen der Arztpraxen oft ein kümmerliches Dasein; versäumt es doch mancher Steuerberater, mit seinem Mandanten die degressive Abschreibung und deren Konsequenzen zu erörtern. Der Arzt sollte ihn daher darauf ansprechen, um im Einzelfall die richtige Wahl zu treffen.
Bekanntlich ist es zulässig, geringwertige Wirtschaftsgüter (Anschaffungskosten ohne Mehrwertsteuer bis 410 Euro) bereits im Anschaffungsjahr voll abzuschreiben. Eine (noch) ertragsschwache Praxis als auch eine Neugründung werden aber selbst geringwertige Wirtschaftsgüter nicht im Anschaffungsjahr voll absetzen, sondern jährliche (lineare) Abschreibungen in Höhe der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer in ihre Ertragsrechnung einstellen, um sich steuerwirksamen Aufwand für die Folgejahre zu sichern. Michael Bandering
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