SUPPLEMENT: Reisemagazin

Piemont: Das weiße Gold

Wirth-Piller, Ariane

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Trifulau Anselmo und Trüffelhündin Diana sind in den Wäldern der Langhe fündig geworden: Jedes Gramm der weißen Trüffel bedeutet bares Geld. Foto: dpa
Trifulau Anselmo und Trüffelhündin Diana sind in den Wäldern der Langhe fündig geworden: Jedes Gramm der weißen Trüffel bedeutet bares Geld. Foto: dpa
Kulinarische Reise durch die Langhe

Die Schönheiten des Piemont kommen zu keiner Jahreszeit so gut zur Geltung wie im Herbst. Galt lange Zeit die Toskana als Traumziel der Deutschen, entdecken gerade Feinschmecker und Naturliebhaber die Region im Südosten von Turin. Die Langhe mit ihren grünen Hügeln, die vom Weinanbau geprägt sind, und den Dörfern mit ihren trutzigen Burgen und verwinkelten Gassen laden zu Spaziergängen und Radtouren ein. Die spektakulärste Aussicht auf diese malerische Landschaft hat man vom Belvedere des Ortes La Morra aus: Wie in einem Gemälde breiten sich die verschiedenen Hügelketten der Langhe vor den Augen des Betrachters aus. In der Ferne liegt die Weingegend von Barolo, die einem der edelsten Weine Italiens ihren Namen gegeben hat. Kaum eine andere Region ist so sehr vom Weinanbau geprägt wie das Gebiet südlich des Flusses Tanaro. Hier hat sich ein lebhafter Weintourismus entwickelt. Die Dörfer und Anbaugebiete tragen Namen, die das Herz eines jeden Weinliebhabers höher schlagen lassen: Barolo, Barbaresco, Roero, Asti. Was für die Weine der Toskana die Sangiovese-Traube ist, die dem Chianti seinen so typischen Geschmack verleiht, sind für die Weine der Langhe die Nebbiolo-, Barbera- und Dolcetto-Reben, aus denen die edlen roten Tropfen des Piemont gekeltert werden.
Ist die drückende Hitze des Sommers erst einmal vorbei, kann man auch die kulinarischen Spezialitäten dieser für ihre Gastronomie bekannten Gegend mit allen Sinnen genießen. Die Küche ist schwerer als in den anderen italienischen Regionen, mit ihren Braten, Fondues und Schokoladenspezialitäten. „Star“ der Küche dieser Region bleibt aber unangefochten der Tuber magnatum pico, so die wissenschaftliche Bezeichnung für die weißen Alba-Trüffel. Wenn die Tage kühler und feuchter werden, streifen die „Trifulau“, die Trüffelsucher, mit ihren Hunden durch die lichten Wälder, an deren Pappeln, Linden und Weiden die begehrten Pilze an den Wurzeln heranreifen. Trüffelsuchen ist ein schwieriges Geschäft: Auf Suche gehen darf nur, wer ein Dokument vorlegen kann, das ihn als staatlich geprüften Trifulau ausweist. Ihre Hunde bilden sie meist über viele Jahre aus, und wer einen zu kaufen sucht, muss dafür Tausende Euro bezahlen.
Die Konkurrenz unter den Trüffelsuchern ist sehr groß. Viele brechen mitten in der Nacht auf, damit ja kein Nachbar und Konkurrent erahnen kann, wo sich Fundstellen in den Wäldchen befinden könnten. Mehr als fünf, sechs Trüffel pro Tag findet kaum ein Trifulau, aber auch die wenigen Knollen sind je nach „Trüffelkurs“ ein kleines Vermögen wert. So können hundert Gramm Trüffel bis zu 300 Euro kosten – nicht umsonst bezeichnet man die Knollen auch als „weißes Gold“.
In der Trüffelsaison liegt über ganz Alba, dem Zentrum der Langhe, der Duft der aromatischen Pilze. In diesem Städtchen mit seinen mittelalterlichen Bauten findet auch wie in jedem Jahr die Trüffelmesse statt, wo die Trüffelsucher ihre Knollen verkaufen. Wachsamkeit ist hier geraten, denn es wird um jedes Gramm gefeilscht. Unter Käseglocken liegt die Ware aus, die dann auf Briefwaagen gelegt wird. Beim Kauf sollte man zu sauberen, glatten Knollen greifen – jedes Gramm Schmutz muss ja mitbezahlt werden. Wie die Trüffel innen aussieht, kann der unerfahrene Käufer nicht erahnen. Für ihn muss es genügen, wenn die Knolle auf Druck nicht nachgibt und angenehm duftet. Trüffel sind empfindlich und nicht lange haltbar. Aber mit etwas Küchenpapier umwickelt und in einem Marmeladenglas mit Schraubverschluss luftdicht verpackt, bewahren sie zwei, drei Tage ihre Frische.
So edel die weiße Alba-Trüffel auch ist, sie begleitet hervorragend gerade die einfachsten Gerichte. Für den Kenner reichen ein paar Spiegeleier, über die die Pilze mit einem Trüffelhobel verteilt werden. Eine weitere Spezialität ist die „Fonduta“, in Milch geschmolzener Fontina-Käse, den man mit Trüffeln veredelt. Auf keinen Fall sollten die Trüffel erhitzt oder gar gekocht werden; ihr einzigartiges Aroma ginge dann verloren.
Fast jedes Restaurant, aber auch die einfache Trattoria bieten in der Saison Trüffelgerichte an, und es ist für jeden Schlemmer ein Erlebnis, wenn der Kellner mit Briefwaage, Hobel und Trüffel naht. In Alba duftet es aber nicht nur intensiv nach Trüffel, sondern auch nach Schokolade. Hier, in einer Gegend, in der auch viele Nussbäume wachsen, entwickelte Ferrero jenen in aller Welt berühmten Brotaufstrich aus alten lokalen Rezepten. Liebhaber der schmackhaften Schokoladenspezialität finden hier hochwertige einheimische Nuss-Nugat-Cremes – und Schokoladentrüffel. Ariane Wirth-Piller

Informationen:
Unterkünfte und Restaurants:
- „Relais San Maurizio – Hotel del Monastero“, Loc. San Maurizio, 39, 12058 Santo Stefano Belbo (Cuneo), Telefon: 00 39/01 41/84 19 00, Fax: 00 39/01 41/84 38 33, Internet: www.relaissanmaurizio.it. Sehr luxuriöses Hotel der „Relais & Châteaux“-Kette in einem ehemaligen Kloster. Gourmet-restaurant und Weinkeller.
- Hotel „Il Castello“, Piazza G. Marconi, 4, 12060 Novello (Cuneo), Telefon: 00 39/01 73/74 45 02, Fax: 00 39/01 73/73 12 50, Internet: www.castellodi novello.com. Neugotische Burganlage mit individuell gestalteten Suiten und Zimmern. Große Sonnenterrasse mit Aussicht.
- Albergo „Le Torri“, Via Roma, 29, 12060 Castigliano Falletto (Cuneo), Telefon und Fax: 00 39/01 73/6 29 61, Internet: www.hotelletorri.it. Zu einem Hotel umgebautes Patrizierhaus, Golfplatz und Reitstall in der Nähe.
- Hotel „Corte Gondina“, Via Roma, 100, 12064 La Morra (Cuneo), Telefon: 00 39/01 73/50 97 81, Fax: 00 39/01 73/50 97 82, Internet: www.cortegon dina.it. Hotel am Rande der Altstadt.
- Tipp: „Tra Arte e Querce“, Via Monchiero Alto, 11, 12060 Monchiero (Cuneo), Telefon und Fax: 00 39/01 73/79 21 56, Internet: www.traarteequerce. com. Sechs geräumige Zimmer. Hausherr Elio Costa geht in der Saison täglich mit seinem Hund auf Trüffelsuche, Ehefrau Clelia zaubert daraus schmackhafte Gerichte im eigenen gemütlichen Restaurant.
Die grünen Hügel der Langhe sind vom Weinanbau geprägt. Fotos: picture-alliance/Bildagentur Huber
Die grünen Hügel der Langhe sind vom Weinanbau geprägt. Fotos: picture-alliance/Bildagentur Huber
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- Osteria dell’Arco, Piazza Savona, 5, 12051 Alba, Telefon: 00 39/01 73/36 39 74. Modernes, stilvolles Restaurant, ganz in der Slow-Food-Tradition: Regionale Küche aus besten Zutaten. Ruhetage: Sonntag und Montag.
Spezialitäten der Langhe:
- 76. Fiera del Tartufo Bianco – Trüffelmarkt in Alba. Vom 30. September bis 5. November 2006.
- Polleria „Ratti Elio“, Via V. Emanuele, 18, 12051 Alba. In der Hauptstraße der Altstadt von Alba typische Produkte der Langhe, Trüffel, selbst gemachte Konserven und Marmeladen, Käsespezialitäten (mit Trüffel, in Barolo gereift), frische Pasta.
- Inaudi – I Piaceri del Gusto, Via V. Emanuele, 23/A, 12051 Alba. Pilze, Trüffel sowie ein önogastronomischer Buchladen.
Weinproben und Verkauf:
- Enoteca Regionale del Barolo, Piazza Falletti, Barolo, Telefon: 00 39/0173/5 62 77, Internet: www.baroloworld.it.
- Enoteca Regionale des Barbaresco, Via Torino 8/A, Barbaresco, Telefon: 00 39/0173/63 52 51, Internet: www.enotecadelbarbaresco.it.
- Museo Ratti dei Vini d’Alba, La Morra – Abbazia dell’Annunziata, Telefon: 00 39/01 73/5 01 85, Internet: www.renatoratti.it.

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