Supplement: Reisemagazin

Indian Summer: Heiße Farben

Dtsch Arztebl 2006; 103(41): [12]

Lerche, Angelika

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
„Es ist nicht nur die Farbe, sondern ein Glühen, als ob die Blätter das Licht der Herbstsonne gierig festgehalten hätten und dann langsam wieder freigäben. Es ist etwas von Feuer in diesen Farben.“ John Steinbeck. Foto:Fotolia/Leong
„Es ist nicht nur die Farbe, sondern ein Glühen, als ob die Blätter das Licht der Herbstsonne gierig festgehalten hätten und dann langsam wieder freigäben. Es ist etwas von Feuer in diesen Farben.“ John Steinbeck. Foto:Fotolia/Leong
Wenn der Sommer zu Ende geht, stehen die Wälder Neuenglands in Flammen.

Die Natur malt gelbe, orange, kupferne und rote Tupfer auf das Blattwerk, die im Licht der Sonne changieren. Bald wird aus einem noch lückenhaften Flickenteppich ein geschlossener Baldachin von geradezu rauschhafter Opulenz, der sich rasch von Westen nach Osten und von Norden nach Süden ausbreitet.
„Es ist nicht nur die Farbe, sondern ein Glühen, als ob die Blätter das Licht der Herbstsonne gierig festgehalten hätten und dann langsam wieder freigäben. Es ist etwas von Feuer in diesen Farben.“ So beschrieb der US-amerikanische Literatur-Nobelpreisträger John Steinbeck dieses Naturschauspiel, das in solcher Pracht nur in seiner Heimat stattfindet.
Entstanden ist es, als der Himmlische Jäger den Großen Bären erlegte und das Blut aus der Wunde Neuenglands riesige Wälder in alle erdenklichen Rottöne tauchte. So erzählt es jedenfalls eine Indianerlegende. Die naturwissenschaftliche Erklärung ist weitaus nüchterner: Chlorophyll ist der Zünder für die entflammte Natur.
„Laub-Gucker“ nennen Einheimische die Reisenden, die sich im Herbst durch die Straßen und Ortschaften Neuenglands schlängeln.
„Laub-Gucker“ nennen Einheimische die Reisenden, die sich im Herbst durch die Straßen und Ortschaften Neuenglands schlängeln.
Anzeige
Jahr für Jahr zieht eine besondere Spezies von Voyeuren durchs Land, die nichts anderes sucht als buntes Laub und eine leuchtende Landschaft. „Leaf peeper“ nennen die Amerikaner jene Reisende, die sich auf den Straßen von Massachusetts, über Vermont, bis nach New Hampshire und Maine schlängeln. Kenner behaupten, hier erlebt man das „foliage“ (Laub) von seiner allerschönsten Seite. Ganz sicher ist dies auch die beste Zeit, um ein paar Golfrunden zu drehen.
Denn so bunt wie das Herbstlaub ist auch das Kaleidoskop der Golfplätze.
Wir starten in Boston, fahren die Interstate 95 nordwärts immer an der Küste entlang, erreichen das Lobster-Land Maine. Genießen den Hummer in Holzbuden, meist direkt im Hafen. Die Fangboote noch im Blick, Sonne und salzige Meeresluft auf der Haut, so schmeckt er am besten. Die passende Stärkung für ein erstes Spiel in The Ledges Golf Club bei York. Mehr dem Landesinnern zugewandt, hügelig und von Wald umgeben, zeigen sich hier schon die ersten bunten Blätter, doch der anspruchsvolle Kurs verzeiht kaum, sich Schönmalereien hinzugeben. Gleich die erste Bahn erfordert höchste Konzentration, und so geht es weiter bis zur 18, die als schwierigstes Abschlussloch in Neuengland gilt.
Hinter Portland beginnt mit der zerklüfteten Midcoast das ideale Terrain für Individualisten. Eine wildromantische Region mit Felsen, sandigen Badebuchten, menschenleeren Stränden, unzähligen Halbinseln und Inseln. Direkt in der Penobscot Bay gelegen, eingerahmt vom tiefblauen Wasser des Atlantiks, erwartet uns im Samoset Resort ein perfekt gepflegter, flacher Küstenplatz, der von Golf Digest als der „7th Most Beautiful in America“ bezeichnet wurde.
Dann verlassen wir die Küste, fahren nach Nordwesten, dem Indian Summer und weiteren golferischen Höhepunkten entgegen. Der Belgrade Lakes Golf Course gehört unbedingt zum Programm, mit traumhaften Löchern und ebensolchen Aussichten. Sugarloaf hat sich bereits mit einem roten Kleid geschmückt, doch der Platz zählt ohnehin zu Amerikas Top 100 Public Golf Courses und gilt seit seiner Entstehung 1985 als die Nummer eins im Staat. Die 18-Loch-Anlage, gestaltet von dem renommierten Golfplatzarchitekten Robert Trent Jones Jr., liegt zwischen rauschenden Flüssen und dicht bewaldeten Bergen. Mit Sicherheit sind hier nicht nur Fuchs und Hase unterwegs, sondern auch Bär und Elch. Genauso wie beim noch neuen Sunday River Golf Course, von dem Jones sagt, dass er einer der außergewöhnlichsten Plätze ist, die er jemals planen durfte. Dramatische Höhenunterschiede, steile Abhänge, tiefe Schluchten, Waste- und Cross-Bunker, Steinwüsten und schließlich der Merrill Creek bieten spannungsreiche Herausforderungen.
Der Sugarloaf-Golfplatz (großes Foto) in Maine zählt zu Amerikas Top 100. Das Mount Washington Golf Resort in New Hampshire gilt als Treffpunkt der amerikanischen Gesellschaft.
Der Sugarloaf-Golfplatz (großes Foto) in Maine zählt zu Amerikas Top 100. Das Mount Washington Golf Resort in New Hampshire gilt als Treffpunkt der amerikanischen Gesellschaft.
Auf der Rückfahrt nach Boston durchstreifen wir New Hampshire. Alten Indianerpfaden folgend, über Covered Bridges, durch beschauliche, bilderbuchschöne Ortschaften, immer mit einer schlichten weißen Kirche in der Mitte. Der Neuengland-Staat, so groß wie Hessen, besteht zu 80 Prozent aus Wald, der Indian Summer entfaltet sich hier zum wahrhaften Farbenrausch. Hier liegt der recht flache Wentworth Golf Course, der – obwohl ständig vom Wildcat und Ellis River durchzogen – eine ruhige Runde beschert, mit schönen Aussichten auf die White Mountains. Deren Herzstück ist der Mount Washington, mit 1 917 Metern der höchste Berg im Nordosten der USA. Manchmal macht er mit 160 Stundenkilometer schnellen Fallwindböen und Temperaturen von minus 60 °C von sich reden – nicht einmal die Antarktis kann da mithalten. Doch ist im frühen Herbst nichts davon zu spüren, und als Kulisse des gleichnamigen Hotels macht er sich großartig. Er unterstreicht den majestätischen Eindruck dieser pompösen Anlage im viktorianischen Stil, die 1902 erbaut, immer wieder Treffpunkt der US-amerikanischen Gesellschaft war, angefangen bei Thomas Edison über Jackie Kennedy bis hin zum Gipfeltreffen der G8-Staaten.
Fotos: Angelika Lerche
Fotos: Angelika Lerche
Selbstverständlich wollte die High Society auch Golf spielen. Bereits 1875 gab es hier einen 9-Loch-Kurs, dem 1915 durch den bekannten Architekten Donald Ross weitere 18 Löcher hinzugefügt wurden. Der Platz könnte inzwischen eine Verjüngungskur vertragen, doch das Mount Washington Resort ist in jedem Fall ein Erlebnis, vor allem für Gäste, die den noblen Glanz echter Grandhotels schätzen, und der Indian Summer präsentiert sich hier in seinen feurigsten Farben. Angelika Lerche

Infos: Buss Consulting, Nürnberg, Telefon: 09 11/92 69-1 13,
E-Mail: Buss Cons@aol.com, Internet: www.discovernewengland.org.
Unterkünfte: Internet: www.newenglandinnsandresorts.com.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema