Supplement: Reisemagazin

Frankreich: Menü mit 21 Gängen

Dtsch Arztebl 2006; 103(41): [14]

Diemar, Claudia

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LNSLNS Mit dem Rad durchs liebliche Land der Loire

Die Loire ist einfach Glück. Sie ist ein stilles und doch unbändiges Wasser. Lange Strecken liegt sie wie eine träge Schöne in einem nachlässig gemachten Bett und gibt sich, nachdem sie mit den Königen hurte, den stillen Anglern hin“, notierte der Schriftsteller Wolfgang Koeppen. Doch die schöne Loire blickt auch ungeniert den strammen Waden der Radler nach.
Château de Chambord
Château de Chambord
Früher Morgen im Park des Château de Chambord. Wie eine Fata Morgana hebt sich das weiße Schloss aus dem Frühnebel. 440 Zimmer, 365 Kamine und 70 Treppenaufgänge zählt das Märchenschloss von König François I., durch das die Touristen aus aller Welt strömen. Doch morgens um acht ist in Chambord die Welt noch in Ordnung. Besonders für Radler, die im „Land der Schlösser“ unterwegs sind. 300 Kilometer gut beschilderte Routen durch Wälder, Wiesen und Obstplantagen finden die „Cyclistes“ vor. Elf verschiedene „Itinéraires“ (Wege) zwischen zehn und 40 Kilometern sind zudem ausgewiesen, die sich einzeln als Rundkurse fahren oder zu einem sportiven „Menü“ aus mehreren Strecken zusammenstellen lassen. An vielen Stellen können gute Vélos mit bis zu 21 Gängen gemietet werden. Für Radler geeignete Unterkünfte runden das Angebot ab. Ein zünftiges Bikerfrühstück gehört ebenso dazu wie auf Wunsch ein Picknickkorb. Im Rhythmus der Pedale lassen sich so die schönsten Loire-Schlösser entdecken. Das Château de Cheverny zum Beispiel, das dem Comic-Zeichner Hergé als Vorbild für das Domizil des pfiffigen Reporters Tim und seines Hündchens Struppi diente. Einen besonderen Reiz üben die kleineren Schlösser aus. Château de Villesavin ist im Vergleich zu Chambord eine geradezu bescheidene Residenz. Schlossherrin Véronique de Sparre empfängt in Jeans statt großer Robe. Besucher sind willkommen, denn sie helfen mit den Eintrittsgeldern, das Anwesen aus dem 16. Jahrhundert zu erhalten. „Ein Philosoph und ein Schlossbesitzer haben immer Reparaturen“, erklärt Madame de Sparre lächelnd, während sie durch die Räume führt und noch auf den Taubenturm und das „Hochzeitsmuseum“ hinweist.
Château deVillesavin. Fotos: Claudia Diemar
Château deVillesavin. Fotos: Claudia Diemar
Anders als Chambord oder Villesavin, die ein wenig Abstand vom Fluss halten, spiegeln sich Schlösser – wie das von Chaumont oder Ménars – wie eitle Schönheiten im blau-grünen Wasser der Loire. Die mehr als 1 000 Kilometer lange Loire, die im Massiv Central entspringt und sich bei Nantes den Wellen des Atlantik ergibt, ist Frankreichs längster und Europas letzter weitgehend naturbelassener Fluss. In Schleifen und Schwüngen mäandert das Gewässer durch die Landschaft. Sandbänke, auf denen Biber leben, ragen als Eilande aus dem Strom, werden wieder von den Wellen verschlungen, entstehen an anderen Stellen neu. Seltene Vögel wie Schwarzstörche nisten auf Auen und Inselchen.
Im Jahr 2000 wurde das Loire-Tal zwischen Sully und Chalonnes von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Klar, dass zu einer solchen Auszeichnung ein sanfter Tourismus besser passt als Scharen von Tagesausflüglern, die per Bus aus Paris anreisen. Deshalb fördert die Region den Radtourismus nach Kräften. Neben den Vélo-Routen im „Pays des Châteaux“ ist ein rund 800 Kilometer langer Flussradweg über weite Strecken fertig gestellt. Man rollt entlang alter Treidelpfade oder auf der Krone der Dämme mit Panoramablick über den schimmernden Fluss und zum Schloss in der Ferne. Der liebliche „Garten Frankreichs“ ist wie gemacht, um per Pedal erobert zu werden. „Die Loire, diese Pulsader Frankreichs, windet sich wie eine Schärpe, wie ein Silberband im Unterholz der Weiden und Pappeln“, schwärmte August Rodin. Claudia Diemar

Informationen:
Pauschalen: STB-Reisen bietet eine individuelle sechstägige Tour von Orléans nach Tours mit fünf Übernachtungen und Halbpension sowie Gepäcktransporten und Toureninfos, Telefon: 0 61 28/98 25 13, Internet: www.stb-reisen.com.
„Bonne France“ bietet neben anderen Varianten eine individuelle Radreise sechs Tage/fünf Übernachtungen von Tours nach Angers ebenfalls mit Halbpension, Gepäcktransporten, Karten etc., Telefon: 07 21/9 67 04 45, Internet: www.bon ne-france.de.
Weitere Auskünfte: Fremdenverkehrsamt Loiretal der Schlösser, Avenue de Paris 37, F-45000 Orleans, Telefon: 00 33/2 58/79 95 00, Fax: 00 33/2 58/79 95 10. Internet: www.visaloire.com.
Französisches Fremdenverkehrsamt Maison de la France, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt am Main, Telefon: 0 90 01/57 00 25 (0,49 Euro/Min.), Internet: www.franceguide.com.
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